Anerkannte Desinfektionsverfahren

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat eine Reihe von Desinfektionsverfahren untersucht und geprüft. Die abschließend anerkannten Verfahren für die Entseuchung gemäß §18 des Gesetzes zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz, IfSG) hat das Bundesinstitut veröffentlicht. Wir geben Ihnen einen zusammenfassenden Überblick über die Verfahren und verwendeten Systeme.

Wirkungsbereiche der Desinfektionsverfahren
Die Desinfektionsverfahren sind für unterschiedliche Wirkungsbereiche geeignet und in vier Kategorien von A bis D gegliedert.

  • A: tötet vegetative Bakterien, Mykobakterien, Pilze und Pilzsporen ab
  • B: inaktiviert Viren
  • C: tötet Milzbrandsporen ab
  • D: tötet Sporen von Gasödem- und Wundstarrkrampferregern ab

Thermische Verfahren

Neben Verbrennen und Kochen mit Wasser führt das RKI eine Reihe von Dampfdesinfektionsverfahren auf. Kochen mit Wasser erfordert eine Desinfektionstemperatur von 100°C und für die Wirkungsbereiche A und B eine Einwirkzeit von mindestens drei Minuten. Sollten die Wirkungsbereiche A, B und C abgedeckt werden, ist eine Einwirkzeit von mindestens 15 Minuten erforderlich. Dampfdesinfektionsverfahren sind notwendig bei verseuchten Objekten, die auch bei 105°C nicht vollständig rein und desinfiziert sind. Bei diesen Verfahren muss es möglich sein, die Luft aus dem Gegenstand zu verdrängen. Sind alle Teile des zu desinfizierenden Objektes vollständig mit gesättigtem Wasserdampf bedeckt und haben die notwendige Desinfektionstemperatur angenommen, beginnt die eigentliche Einwirkungszeit. Für poröse Objekte (Bettenausstattungen, Matratzen) wurde das fraktionierte Vakuumverfahren entwickelt. Von anfallendem Abwasser und Abluft dürfen keine Gefahren ausgehen. Aus diesem Grund müssen diese ebenfalls nachbehandelt werden (DIN 58949, Teil 2). Selbsterklärend dürfte sein, dass für die Systeme und Anlagen zur Desinfektion die Bedienungsempfehlungen zu berücksichtigen und alle Funktionen zu prüfen sind (DIN 58949, Teil 3).

  • Dampf-Strömungsverfahren: Gesättigter Wasserdampf, mindestens 100°C, Einwirkungszeit mind. fünf Minuten für Wirkungsbereiche A und B bzw. mind. 15 Minuten für die Wirkungsbereiche A, B und C
  • Fraktioniertes Vakuumverfahren (VDV-Verfahren): Luft wird aus Kammer und Objekt entfernt, Desinfektion mit Sattdampf, Trocknung des Objektes durch Evakuieren (Vakuum)

Die Desinfektionskammer muss vakuumdicht und der erforderliche Dampf frei von Luft- sowie Fremdgasen (DIN EN 285) sein. Zudem ist darauf zu achten, dass die vorgeschriebenen Drücke eingehalten werden (Vakuumphase: max. +10 mbar; Zwischendampfstöße: max. -10 mbar). Das Robert Koch-Institut empfiehlt folgende Systeme:

  • System Belimed
  • System Belimed Sauter
  • System Miele
  • System MMM
  • System Webeco

Chemische Mittel und Verfahren

Für chemische Mittel und Verfahren führt das Robert Koch-Institut grundlegende Anforderungen und Einschränkungen auf:

  • Chemische Mittel dürfen zum Gebrauch ausschließlich mit reinem Wasser verdünnt werden
  • Gebrauchsverdünnungen mit Reinigungsmitteln o. ä. sind nicht zulässig
  • Desinfektionsmitteldosiergeräte müssen geprüft und zugelassen sein (u.a. Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM), RKI, Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention)
  • Erteilte Auflagen und Hinweise für die Benutzung von Desinfektionsmitteldosiergeräten müssen beachtet werden
  • Um Medizinprodukte (Instrumente) aufzubereiten, dürfen nur Desinfektionsmittel verwendet werden, die nachgewiesenermaßen für die Wirkungsbereiche A und B zugelassen sind
  • Hände werden mit Desinfektionsmittel eingerieben, während der gesamten vorgeschriebenen Einwirkungszeit feucht gehalten und bei Bedarf (massiv, sichtbar oder mit Tuberkulose-Bakterien kontaminiert) ein weiteres Mal desinfiziert; nach Ablauf der Einwirkungszeit darf das Desinfektionsmittel mit Wasser in Berührung kommen

In Tabelle 1 bis 3 führt das Robert Koch-Institut eine Liste der für Instrumenten-, Wäsche-, Flächen- und Händedesinfektion geprüften bzw. anerkannten Mittel und Wirkstoffe auf.

Besondere Verfahren

Wäschedesinfektion in Waschmaschinen

Bei der Desinfektion von Wäsche in Waschmaschinen müssen sowohl die Konzentration des Desinfektions- und Waschmittels als auch das Flottenverhältnis (Flotte = Flüssigkeitsmenge) und die Temperatur während der Einwirkzeit stimmen. Am Ende sind Wäsche, Flotte und der Maschineninnenraum desinfiziert. Erst nach der Desinfektionsphase darf Wasser aus der Maschine abfließen. Ebenso dürfen keine Gefahren von Abluft ausgehen. Nach dem aktuellen Stand der Technik erfüllen folgende Waschmaschinen die geforderten Mindestvoraussetzungen des RKI:

  • diskontinuierlich arbeitende Trommelwaschmaschinen
  • kontinuierlich arbeitende Trommelwaschmaschinen (wie aufgeführt): Waschstraße Senking P50/P36, Hersteller: Jensen GmbH, Waschstraße Senking P25, Hersteller: Jensen GmbH

Bei thermischen Desinfektionswaschverfahren muss die Konzentration der Waschmittel mit den Herstellervorgaben einhergehen und die Eignung der Waschmittel durch Gutachten (textiltechnische Gutachten) nachgewiesen sein. Wird ein chemothermisches Desinfektionswaschverfahren angewendet, sind insbesondere die Angaben zum Verfahrensablauf exakt einzuhalten. Die einzelnen Verfahren werden detailliert in der Tabelle 4 und 5 des RKI aufgeführt.

Instrumentendesinfektion in Reinigungs- und Desinfektionsgeräten

Bei der Prüfung von Reinigungs- und Desinfektionsgeräten für Instrumente durch das RKI stand die desinfizierende Wirkung im Vordergrund – die Reinigungsleistung wurde außer Acht gelassen. Die abschließende Einschätzung wurde auf Grundlage der „Prüfrichtlinie des Bundesgesundheitsamtes zur Prüfung von thermischen Desinfektionsverfahren in Reinigungsautomaten“ (Bundesgesundheitsblatt (1980) 23:36–367) gegeben. Folgende Anmerkungen und Hinweise sind zu beachten:

  • Die Wirksamkeit wurde nur für das eingetragene Programm nachgewiesen
  • Herstellervorschriften für Bedienung und Beladung sind zu beachten
  • Nur vom Hersteller empfohlene Reinigungsmittel verwenden
  • Erst nach der Desinfektionsphase darf Wasser aus der Maschine austreten bzw. eine Flotte abgelassen werden
  • Von Abluft darf keine Gefahr ausgehen (abführen, nachbehandeln)

Für die thermische Desinfektion und Reinigung von Instrumenten, Laborgläsern und Zubehör von Anästhesiegeräten wird folgende Empfehlung bezüglich Reinigungssystemen ausgesprochen:

  • System Belimed, Wirkungsbereiche: A und B
  • System BHT Hygiene Technik, Wirkungsbereiche: A und B
  • System Lancer: Wirkungsbereich: A bzw. nach 10-minütiger Einwirkungszeit Wirkungsbereiche: A und B
  • System Riebesam, bei 10-minütiger Einwirkungszeit Wirkungsbereiche: A und B

Betriebsdaten und Apparatetypen der einzelnen Systeme finden Sie hier.

Raumdesinfektion

Sollte eine besondere Infektionsgefahr bestehen oder eine Wischdesinfektion unzureichend sein, können durch Verdampfen oder Vernebeln von Desinfektionsmitteln ganze Räume inklusive aller Oberflächen desinfiziert werden. Zu beachten ist: Bei einer Raumdesinfektion ist eine zusätzliche Flächendesinfektion bzw. Wischdesinfektion obligatorisch.

  • Verdampfen oder vernebeln von verdünnter Formaldehyd-Lösung, Wirkungsbereiche: A und B
  • Begasung mit Wasserstoffperoxid (keine Verfahrensprüfung möglich, da die Wirksamkeit von örtlichen Bedingungen, Verfahrens- und Geräteart abhängig ist)

Desinfektion von Abfällen

Für die Desinfektion von Abfällen sind thermische Verfahren anzuwenden. Neben dem Verbrennen (Wirkungsbereiche A bis D) und dem Kochen mit Wasser stehen Verfahren der Dampfdesinfektion zur Verfügung (Dampfströmungsverfahren, Fraktioniertes Vakuumverfahren). Zudem gibt es Sonderverfahren für flüssige Abfälle sowie Nassabfälle (System Meteka) und zur Behandlung von HEPA-Filtern in Sicherheitswerkbänken (Klasse 2), etwa das System STERIS oder die Begasung mit Formaldehyd.

Quellen