Blick ins Ausland Medizinische Abfälle in Österreich

Blick ins Ausland - Entsorgung medizinischer Abfälle in Österreich
Blick ins Ausland - Entsorgung medizinischer Abfälle in Österreich

Abfallmanager Medizin wird international! In unserer neuen Rubrik „Blick ins Ausland“ werden wir zu unseren Nachbarn schauen und uns ansehen, wie die Abfallentsorgung in Krankenhäusern in anderen Ländern abläuft. Dazu vergleichen wir rechtliche Rahmenbedingungen, Behältersysteme und örtliche Besonderheiten mit denen deutscher Klinken. Wir starten die neue Rubrik mit Österreich.

In Österreich gibt es insgesamt knapp 280 Klinken mit 65.000 Betten. Im Jahr 2015 betrug das Aufkommen an medizinischen Abfällen 32.000 Tonnen in ganz Österreich. Im Vergleich zu den Abfallströmen in Deutschland ist dies weitaus weniger, deutschlandweit sind es bei 2.200 Häusern rund 4,8 Millionen Tonnen Abfälle. Die meisten Spitäler, wie die Kliniken in Österreich heißen, sind verhältnismäßig klein – abgesehen vom Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH Wien). Zudem sind in Österreich saisonal stärkere Schwankungen bei den Abfallmengen möglich, bedingt durch den Tourismus. So fallen in den Skigebieten im Winter beispielsweise mehr medizinische Abfälle an als im Sommer.

Beim Recycling Spitzenreiter

Generell nimmt die Abfallmenge in Europa ab – zwischen 2005 und 2016 um vier Prozent. Deutschland stellt hier eine Ausnahme dar: Hier stiegen die Siedlungsabfälle in dem Zeitraum um elf Prozent. Österreich bewegt sich bei dieser Untersuchung im Mittelfeld.

Wenn es um das Recyceln von Abfällen geht, stehen Deutschland und Österreich gemeinsam in Europa an der Spitze. Österreich erreicht bereits heute die von der EU bis 2025 geforderten Recycling-Quoten bei Papier (85 %), Glas (86 %) oder Metall (87 %). Aufholbedarf herrscht jedoch beim Kunststoffrecycling: Hier liegt Österreich bei nur 34 Prozent, statt den bis 2025 geforderten 50 Prozent.

Aus Kostengründen wird in Österreich gerne getrennt entsorgt, dabei führt insbesondere der Preis zu einer kleinteiligen Sammlung. Gefährliche Abfälle sind in der Entsorgung sehr kostenintensiv, weshalb bei der Sortierung auf eine korrekte Einteilung der Abfälle geachtet wird.

Gemeinsamkeiten der Nachbarländer

Deutschland und Österreich sind Teil der Europäischen Union, somit gelten die übergeordneten abfallwirtschaftlichen rechtlichen Vorgaben für beide Länder im gleichen Maße. In beiden Ländern sind modernste Abfallverbrennungsanlagen vorhanden. Sowohl die Wege der Beseitigung als auch die verwendeten Behälter unterscheiden sich nicht. Die Abfälle enden wie in Deutschland: Es gibt die thermische Beseitigung, thermische Verwertung oder auch die stoffliche Verwertung. Auch bei den verwendeten Behältern muss sich ein Abfallbeauftragter nicht umorientieren.

Die Verantwortlichkeiten sind ebenfalls gleich: Der Abfallerzeuger ist bis zur endgültigen Entsorgung für seinen Abfall verantwortlich und muss nachvollziehen können, was mit seinen Abfällen bis zur vollständigen Vernichtung passiert. In Österreich entscheidet die Zahl der Mitarbeiter darüber, ob ein Abfallbeauftragter gestellt werden muss oder nicht. Jeder Betrieb, der mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt, muss laut Abfallwirtschaftsgesetz einen fachlich qualifizierten Abfallbeauftragten sowie einen Stellvertreter bestellen.

Rechtliche Rahmenbedingungen

In Österreich wurde der Europäische Abfallkatalog nicht übernommen, sondern der rechtlich gleichwertige österreichische Abfallkatalog als Grundlage zur Einstufung der Abfälle belassen. Dennoch ist die Abfalltrennung deutscher und österreichischer Krankenhäuser vergleichbar. Die ÖNORM S 2104 unterteilt die medizinischen Abfälle in verschiedene Kategorien, vergleichbar mit der LAGA in Deutschland. Ein direktes Pendant zur LAGA gibt es in Österreich allerdings nicht, die Funktion der Aufklärung über einzelne Abfälle übernehmen hier Interessenvertreter und Verbände (wie z.B. Wirtschaftskammer, ÖWAV, VOEB) mit Regel- und Merkblättern.

Abfälle aus dem medizinischen Bereich werden gemäß ÖNORM S 2104 unterteilt in:

  • Gruppe 1 – Abfälle, die weder innerhalb noch außerhalb des medizinischen Bereichs eine Gefahr darstellen.
    In diese Gruppe fallen nicht gefährliche Abfälle wie z.B. Siedlungsabfälle und damit vergleichbare Abfälle, Sperrmüll, biogene Abfälle, Straßenkehricht und Altstoffe (z.B. Verpackungen aus Kunststoff, Glas, Papier, Metall, Karton; Röntgenfilme).
  • Gruppe 2 – Abfälle, die nur innerhalb des medizinischen Bereichs eine Infektions- oder Verletzungsgefahr darstellen können, jedoch nicht wie gefährliche Abfälle entsorgt werden müssen.
    Abfälle dieser Gruppe werden unterteilt in:

    • Abfälle ohne Verletzungsgefahr (SN 97104), wie z.B. Wundverbände, Gipsverbände, Windeln und Einmalartikel;
    • Abfälle mit Verletzungsgefahr (SN 97105), wie z.B. Kanülen, Lanzetten und Skalpelle;
    • Nassabfälle (SN 97104), wie z.B. nicht restentleerte, mit Absaugsekreten gefüllte Einwegsysteme, bei deren Transport die Gefahr des Flüssigkeitsaustritts besteht;
    • Körperteile und Organabfälle (SN 97103).
  • Gruppe 3 – Abfälle, die innerhalb und außerhalb des medizinischen Bereichs eine Gefahr darstellen und daher in beiden Bereichen einer besonderen Behandlung bedürfen.
    Zu dieser Gruppe gehören z.B. nicht desinfizierte mikrobiologische Kulturen oder mit gefährlichen Erregern behafteter Abfall.
  • Gruppe 4 – Sonstige im medizinischen Bereich anfallende Abfälle.
    Abfälle dieser Gruppe sind z.B. Abfälle von Arzneimitteln, Desinfektionsmittel, Quecksilber und quecksilberhaltige Rückstände, Fotochemikalien, Laborabfälle und Chemikalienreste, Versuchstiere und Kadaver von Tieren und Tierkörperteile, tierische Fäkalien, Küchen- und Kantinenabfälle sowie Elektro- und Elektronikgeräte.

Abfall ist in Österreich zudem Ländersache. Das bedeutet, dass zusätzlich zum Abfallwirtschaftsgesetz und der ÖNORM auch die einzelnen Landesabfallgesetze der Bundesländer anzuwenden sind.

Die infektiösen Abfälle machen den Unterschied

Bei der Definition der „Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden“ gibt es einen wesentlichen Unterschied, welcher die Definition bzw. die Erreger dieser Abfälle betrifft.

In Österreich sind einige Erreger wie z.B. Hepatitis oder HIV nicht in dieser Abfallart enthalten. Dies betrifft nicht die Gefährlichkeit bzw. Vorsorge im Krankenhaus beim Umgang mit diesen Abfällen, sondern lediglich den Umgang mit diesen Abfällen bei der Entsorgung. Diese werden als nicht gefährliche Abfälle wie Gipsverbände, Stuhlwindeln oder Infusionsbeutel behandelt.

Nachhaltigkeitsstrategien

Nicht nur in Deutschland streben die Kliniken mehr Nachhaltigkeit an. Einen interessanten Ansatz gegen das Verschwenden von Lebensmitteln hat das Krankenhaus der Elisabethinen Linz entwickelt. Das Spital arbeitet mit der Initiative „United Against Waste“ zusammen. Da die Essenszahlen in Kliniken nur ungefähr planbar sind, werden Speisen, die nicht verwendet wurden, weitergegeben. So werden täglich 50 bedürftige Gäste mit einer Gratis-Mahlzeit versorgt.

Ein Ansatz zu mehr Umweltfreundlichkeit in Österreichs Kliniken ist die Benutzung von Fernkälte als Alternative zur Klimaanlage. Diese Kälte wird aus Abwärme gewonnen, die zum Beispiel beim Verbrennen von Abfällen und in Kraftwerken entsteht. Krankenhäuser nutzen die Kälte zur Kühlung von medizinischen Großgeräten, Laboratorien, Operationssäle, Großküchen und zur Klimatisierung der Kliniken. Allein im Wiener Krankenhaus (AKH) führt diese Maßnahme zu einer jährlichen Einsparung von rund 5.000 Tonnen Co2.

Im kommenden Monat werden wir an dieser Stelle mit einem Abfallbeauftragten des Wiener Allgemeinen Krankenhauses zur Entsorgung in Österreich sprechen. Sie haben bereits Erfahrung im Ausland als Abfallbeauftragter gesammelt? Diskutieren Sie über die Vor- und Nachteile in unserem kostenlosen Forum oder senden Sie Ihre Erfahrungsberichte an redaktion@abfallmanager-medizin.de.

Quellen

Blick ins Ausland - Entsorgung medizinischer Abfälle in Österreich
Blick ins Ausland - Entsorgung medizinischer Abfälle in Österreich