Herausforderung Entsorgungsmatrix Abfallbeauftragter der Städtischen Kliniken Mönchengladbach im Interview

Andy Binder, Abfallbeauftragter Städtische Kliniken Mönchengladbach (Foto: Städtische Kliniken Mönchengladbach)
Abfallbeauftragter Andy Binder im Interview über die Notwendigkeit einer Entsorgungsmatrix. (Foto: Städtische Kliniken Mönchengladbach)

Um Klinikabfälle in Deutschland korrekt zu entsorgen, müssen die Abfallbeauftragten der Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen über umfangreiche Kenntnisse zum aktuell geltenden Abfallrecht verfügen. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, alle anderen Mitarbeiter für das Thema Abfallentsorgung zu sensibilisieren und über gesetzliche Vorgaben zu unterrichten. Dafür bereiten die Abfallbeauftragten unter anderem eine sogenannte Entsorgungsmatrix vor. Sichtbar für alle Mitarbeiter an zentralen Stellen angebracht, fasst diese anfallende Abfallarten, Grundsätzliches zu Umgang, Sammlung und Entsorgung sowie zu verwendende Behälter in einer Übersicht zusammen. Die Erstellung und Pflege einer solchen Matrix stellt Abfallbeauftragte, insbesondere von großen Kliniken mit vielen Abfallarten, regelmäßig vor Herausforderungen. Denn Muster, Entwürfe oder einheitliche Vorgaben gibt es bisher nicht. Andy Binder ist Abfallbeauftragter der Städtischen Kliniken Mönchengladbach mit insgesamt 1.200 Mitarbeitern. Wie er die Abfallentsorgung im Haus kommuniziert und im Speziellen das Thema Entsorgungsmatrix angeht, erfahren Sie nachfolgend im Interview.

Zur Person: Andy Binder

  • Seit September 2018 Abfallbeauftragter der Städtische Kliniken Mönchengladbach – Elisabeth-Krankenhaus, außerdem Hol- und Bringdienst
  • Müllwerker bei GEM Mönchengladbach mit weiterer Qualifikation zum LKW-Fahrer mit ADR
  • Kaufmännische Ausbildung im Groß- und Außenhandel, weitere Ausbildung zum Stahl- und Metallbauer/Fachrichtung Konstruktionstechnik

Lieber Herr Binder, die Städtischen Kliniken Mönchengladbach verfügen über zehn Organisationseinheiten. Welche Abfälle fallen mehrheitlich an? Gibt es Besonderheiten?

Andy Binder: Die mehrheitlich anfallenden Abfälle sind Papier und Pappe, spitze oder scharfe Gegenstände, Körperteile und Organe, einschließlich Blutbeutel und Blutkonserven. Hinzu kommen Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden müssen. Auch zytostatische Abfälle fallen an.

Über 1.200 Mitarbeiter sind in Ihrem Haus insgesamt beschäftigt und mit der Entsorgung betraut. Wie schaffen Sie es, dass jeder Einzelne die Abfälle korrekt entsorgt?

Andy Binder: Trotz meiner Bemühungen kann ich keine einhundertprozentig korrekte Entsorgung garantieren. Sollte mir etwas auffallen, geht es mir nicht darum, den Kolleginnen und Kollegen ihren Fehl-Abwurf schonungslos darzulegen. Stattdessen versuche ich, den Kolleginnen und Kollegen die gesetzlichen Vorgaben nahezubringen und die Vorteile dieses Entsorgungsweges aufzuzeigen. Ich bin auf die Unterstützung jedes Einzelnen angewiesen und da hilft nur ein korrekter und kollegialer Umgang miteinander.

Zudem führen wir jährlich mehrere Veranstaltungen für unsere Mitarbeiter zum Abfallmanagement durch. Es gibt neun Abfallschulungen für das Stammpersonal sowie vier für neue Mitarbeiter und drei für Führungskräfte pro Jahr. Bei diesen Veranstaltungen bzw. Unterweisungen geht es darum, den Kolleginnen und Kollegen nochmals die richtige Trennung und Entsorgung nahe zu legen. Außerdem gibt es noch das betriebliche Vorschlagswesen, in dem die Ideen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Abfall eingebracht werden können. Das zeigt mir wiederum, dass sich auch der ein oder andere Mitarbeiter Gedanken macht.

Eine Entsorgungsmatrix dient als übersichtliche Hilfe bei der korrekten Zuordnung der Abfälle. Wie sieht die Entsorgungsmatrix bei Ihnen aus?

Andy Binder: Unsere Entsorgungsmatrix ist mit unterschiedlichen Farbenunterlegt. Sie enthält Schlüsselnummern sowie die im Haus benutzen Sammel- bzw. Entsorgungsbehälter und den Hinweis auf gefährliche und ungefährliche Abfälle. Gerade wird diese von mir überarbeitet.

Welche Quellen nutzen Sie, damit die Matrix rechtlich auf dem neuesten Stand ist?

Andy Binder: Ich richte mich überwiegend nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und der LAGA. Grundsätzlich muss ich aber immer Augen und Ohren offenhalten. Da ist mir jede seriöse Quelle recht. Eine große Unterstützung sind die zertifizierten Entsorgungsfachunternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten.

Trotz der vorhandenen Matrix: Was sind die häufigsten Fehler bei der Entsorgung medizinischer Abfälle?

Andy Binder: Wenn Fehler auftauchen, sind diese auf das Nichtbeachten der Entsorgungsmatrix zurückzuführen. Fehler sind menschlich und häufig der Routine, Arbeitsbelastung oder Unwissenheit geschuldet. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind da eher auffällig als die Alteingesessenen, weil diese noch nicht an den Ablauf gewöhnt sind. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden und dankbar für das Verständnis und die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen.

Beispielsweise gibt unsere Entsorgungsmatrix vor, die Spritzenabwurfbehälter fest verschlossen und separat abzustellen. So kann der Entsorgungsdienst optisch prüfen, ob diese fest verschlossen sind, um Verletzungen zu vermeiden. Das könnte man nicht, würden diese im Abfallsack landen – das kommt allerdings selten vor.

Was gehört für Sie in eine gute Entsorgungsübersicht? Was können Sie den Kollegen anderer Häuser empfehlen?

Andy Binder: Ich hatte das Glück, aus der Erfahrung meines Vorgängers zu schöpfen. Bis auf ein paar wenige Veränderungen an der Entsorgungsmatrix konnte ich diese übernehmen. In den Schulungsunterlagen habe ich mehr Änderungen vorgenommen.

Mir ist es wichtig, dass es eine Auflistung nach gesetzlichen Vorgaben gibt, welcher anfallende Abfall unter der Schlüsselnummer entsorgt werden darf. Farbliche Unterlegung und die im Haus benutzten Sammelbehältnisse sollten abgebildet sein. Eine Kennzeichnung, ob es sich um gefährlichen oder ungefährlichen Abfall handelt, ist gerade für Neueinsteiger eine Hilfe.

Sie sind für die korrekte Entsorgung der Abfälle zuständig: Wie stark ist hierbei Ihre Vernetzung? Gibt es noch weitere Positionen im Haus oder außer Haus, mit denen Sie sich abstimmen?

Andy Binder: Ein gutes Netzwerk ist unerlässlich. Die enge Zusammenarbeit mit Hygiene, Datenschutz, Arbeitsschutz und Geschäftsführung ist sehr wichtig. Auch ein guter Draht zum Entsorger ist für eine erfolgreiche Arbeit ausschlaggebend. Regelmäßige interne Treffen sowie Telefonate, E-Mails oder Begegnungen am Arbeitsplatz dienen der Optimierung der Abläufe.

Lieber Herr Binder, was ist Ihnen an Ihrer Tätigkeit als Abfallbeauftragter besonders wichtig?

Andy Binder: Abfälle sind in vielen Köpfen der Menschen als eklig, stinkend und als „Das-muss-einfach-nur-weg“ eingestuft. Die Bedeutungder richtigen Entsorgung für dieRessourcenschonung, den Schutz der Umwelt und der Gesundheit von uns und unseren Kindern muss mehr berücksichtigt werden. Obwohl es meine Kinder manchmal nervt, versuche ich auch ihnen mit auf den Weg zu geben, was, wie und wo richtig entsorgt wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quellen

Andy Binder, Abfallbeauftragter Städtische Kliniken Mönchengladbach (Foto: Städtische Kliniken Mönchengladbach)
Abfallbeauftragter Andy Binder im Interview über die Notwendigkeit einer Entsorgungsmatrix. (Foto: Städtische Kliniken Mönchengladbach)