Wertvoller Krankenhausabfall Verwertung von Herzkathetern

Herzkatheter-Verwertung ist eine finanziell lohnende und zudem ressourcenschonende Alternative zur Entsorgung.

Herzkatheter enthalten wertvolle Materialien, die sich zurückgewinnen lassen. Für ausgemusterte Exemplare gibt es daher eine wesentlich bessere Lösung als die Entsorgung im normalen Krankenhausabfall. Dennoch verzichten viele Kliniken auf eine getrennte Sammlung und Entsorgung. Abfallmanager Medizin stellt die lohnende Verwertung vor und zeigt an einem Praxisbeispiel die Umsetzung.

In vielen Kliniken landen ausgemusterte, gebrauchte Elektrophysiologie-Katheter (EP-Herzkatheter) im normalen Krankenhausabfall. Als Gründe werden hierfür häufig Zeitmangel oder auch beengte Verhältnisse in den Entsorgungsräumen angegeben. Auch eine Verletzungsgefahr durch das Abtrennen der Spitzen wird angeführt. Lesen Sie hierzu auch eine Diskussion in unserem kostenfreien Forum.

Ressourcenschonende Verwertung

Dabei ist die Herzkatheter-Verwertung eine finanziell lohnende und zudem ressourcenschonende Alternative zur Entsorgung, da die Katheterspitzen in den meisten Fällen aus wertvollem Edelmetall – zu allermeist Platin – bestehen, das von spezialisierten Entsorgungsfachbetrieben mittels Spezialverfahren zurückgewonnen werden kann.

Neben den besonders wertvollen Elementen wie Gold oder Platin werden auch Begleitmaterialien wie kunststoffummantelte Drähte oder Iridium, Kupfer, Eisen, Nickel und Zinn gewonnen. In einer Edelmetall-Recyclinganlage werden die eingehenden Behälter aus der Klinik zunächst gewogen. Jede einzelne Charge erhält eine Ordnungsnummer, so dass von der Anlieferung bis zur Rückgewinnung bzw. Vergütung jeder Prozessschritt nachvollzogen werden kann.

Das Recycling selbst geschieht in mehreren Stufen. Zuerst wird das Material in einem Glühofen bei 850 Grad Celsius thermisch vorbehandelt. Im zweiten Schritt kommt es zum Einschmelzen der anorganischen Rückstände. Anschließend wird das Schmelzgut der Edelmetallscheidung zugeführt. Am Ende des Gesamtprozesses liegen die Edelmetalle wieder in Reinform vor und das Klinikum erhält die für Gold und Platin vereinbarte Vergütung.

Herzkatheter-Verwertung am Herzzentrum Bernau

Bei desinfizierten beziehungsweise sterilisierten Elektrodenspitzen handelt es sich nicht um gefährlichen Abfall, sondern um Teile elektronischer Geräte. Gesammelt werden können diese in 3l-PE-Gebinden mit Verschlussklappe und Kennzeichnung. Das funktioniert beispielsweise im Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum bereits seit zehn Jahren anstandslos. Andreas Neue, Abfallbeauftragter und zuständig für Klimaschutz- und Gefahrstoffmanagement, sieht die Sammlung der Spitzen unproblematisch: „Die Lanzetten werden in eigens gefertigten Entsorgungsbehältern gesammelt und fest verschlossen dem Verwerter übergeben. Das Personal entfernt vorher die Edelmetallspitzen und ist unterwiesen, nach Abfallschlüssel 180201 zu entsorgen.“ Die Behälter dafür stehen in den Entsorgungsräumen, die Sammlung erfolgt durch das Katheter-Team.

In Bernau wurde noch nicht festgelegt, für welche Zwecke die Vergütung verwendet wird. In erster Linie geht es dem Klinikum auch nicht um den Erlös, sondern um den Schutz wertvoller Ressourcen. „Klimaschutz gilt hier als primäre Dienstaufgabe. Wir haben ein zentrales Wertstoffmanagement mit einem dazugehörigen Entsorgungskonzept. Des Weiteren arbeiten wir zur Zeit an einem neuen, moderneren Stoffverwertungskonzept.“

Die Verwertung der Herzkatheter stellt somit nur einen kleinen Ausschnitt des nachhaltigen Arbeitens dar. So nimmt die Klinik auch an den Deutschen Aktionstagen für Nachhaltigkeit teil und versucht im Klinikalltag möglichst ihren klimatischen und ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Quellen

Herzkatheter-Verwertung ist eine finanziell lohnende und zudem ressourcenschonende Alternative zur Entsorgung.