Im deutschen Gesundheitswesen liegt der Rohstoffverbrauch jährlich bei ca. 107 Mio. Tonnen – so der BKK Dachverband. Dieser enorme Verbrauch trägt maßgeblich zum ökologischen Fußabdruck bei und steht im Widerspruch zu den Klimazielen der Branche. Innovative Denkansätze sind deshalb gefragt, um Prozesse effizienter und ressourcenschonender zu gestalten. Im April 2026 veröffentlichte der BKK Dachverband gemeinsam mit 37 weiteren Organisationen, darunter die Bundesärztekammer, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. und das Centre for Planetary Health Policy (CPHP) das Eckpunktepapier „Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen“. Die Expertinnen und Experten identifizieren darin neun zentrale Handlungsfelder – darunter Rahmenbedingungen für die Transformation hin zu einem nachhaltigen und klimaneutralen Gesundheitswesen, ein emissionsarmes Transportwesen sowie Maßnahmen zur Abfallreduzierung – die dazu beitragen sollen, die Gesundheitsbranche zukunftsfähiger zu gestalten. Die Grundlage des Papiers bilden eine umfassende Literaturrecherche und -analyse sowie europäische Erfolgsbeispiele.
Für die Organisationen ist das Eckpunktepapier eine Erweiterung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) der Bundesregierung, die die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen und den European Green Deal in einen auf Deutschland zugeschnittenen Handlungsrahmen übersetzt. Mit ihrem Paper wollen sie auf konkrete Lücken in der DNS – speziell für die Gesundheitsbranche – aufmerksam machen. Hierfür wurden aus den Entwicklungszielen der Nachhaltigkeitsstrategie branchenspezifische Handlungsfelder abgeleitet.
Für das Abfallmanagement spielt dabei Punkt acht des Eckpunktepapiers eine zentrale Rolle: Abfälle reduzieren und Ressourcen schonen. Die Autorinnen und Autoren empfehlen den Akteuren, Abfallaufkommen zu verringern, Recyclingprozesse zu verbessern und Kreislaufwirtschaft zu fördern. Um den Rohstoffverbrauch innerhalb des Gesundheitswesens zu minimieren, erfordere es enger Kooperation und Kommunikation zwischen Hersteller, Anwender und Entsorger. Gleichzeitig wird die Politik dazu aufgefordert, geeignete Rahmenbedingungen und Strategien für eine brancheninterne Nachhaltigkeitsstrategie zu schaffen. „Nachhaltigkeit ist kein Add-On“, so Ann-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbands. Vielmehr sei es nach Klemm der Schlüssel zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems und vor allem: die Garantie für den Patientenschutz.