Forschung Studie erschließt Recycling­potenzial medizinischer Abfälle

In Verpackungen, im Bauwesen, der Automobilindustrie, in einer Vielzahl unterschiedlichster Konsumgüter oder auch in der Medizintechnik – Kunststoffe werden in nahezu allen Lebensbereichen eingesetzt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die hohe Haltbarkeit, einfache Formbarkeit und die niedrigen Produktions- und Transportkosten machen Kunststoffe zu besonders beliebten Rohstoffen. Aber wie steht es um deren Recycling? Für Kunststoffverpackungen stieg die Quote für die werkstoffliche Verwertung von 42 Prozent (2018) auf über 70 Prozent für das Jahr 2024. Die Verwertungsquote für alle gesammelten Kunststoffabfälle lag hingegen nur bei knapp 38 Prozent. Auch wenn Sortier- und Recyclingtechniken immer effizienter werden, schränken zu starke Verschmutzungsgrade und die Komplexität von Verbundmaterialien das Recycling von Kunststoffprodukten allerdings weiterhin stark ein.

Gerade im Gesundheitswesen, wo viele Kunststoffprodukte und -verpackungen im Umlauf sind, setzt man sich mit verschiedenen Forschungsprojekten dafür ein, Abfallmengen zu reduzieren, ressourcenschonende Produktalternativen zu entwickeln und Rohstoffe in den Kreislauf zurückzugeben. Passend hierzu hat das Healthcare Plastics Recycling Council (HPRC) Europe eine Fallstudie veröffentlicht, in der im Rahmen eines Projektes untersucht wurde, ob automatisierte Sortiertechnologien medizinische Kunststoffverpackungsabfälle im industriellen Maßstab zuverlässig trennen können. Beteiligt am Projekt waren das Universitätsklinikum Bonn (UKB), welches 76 kg nicht-kontaminierter Verpackungsabfälle bereitstellte, sowie der Maschinenhersteller Tomra, in dessen Testzentrum in Mülheim-Kärlich die Sortierversuche durchgeführt wurden.

Die HPRC-Studie liefert den Praxisbeweis, dass eine industrielle Sortierung von Krankenhauskunststoffen machbar ist und betont damit die Recyclingchancen medizinischer Kunststoffe. 45 Prozent der untersuchten Recyclingströme konnten überführt werden, 55 Prozent fielen als Ausschuss an. Einer der größten Hebel für die funktionierende Sortierung liegt in der standardisierten Trennung der Kunststoffe, ausreichender Schulung, einem recyclingfähigen Verpackungsdesign sowie der Nutzung chemischer Recyclingverfahren, wenn mechanisches Recycling nicht ausreicht. Diese Verfahren kommen insbesondere bei komplexen Verbundmaterialien – etwa aus PE und PP – zum Einsatz. Dabei werden die Kunststoffe in ihre chemischen Grundbausteine zerlegt, die anschließend als Ausgangsstoffe für neue Kunststoffe in Primärqualität dienen.

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