Entsorgung Endoskopien gelten als besonders ressourcenintensiv

Ein deutsches Forscherteam der Abteilung für Gastroenterologie, Diabetologie und Infektiologie am Klinikum Hanau hat festgestellt, dass bei Magen- und Darmspiegelungen deutschlandweit mehr als 8.000 Tonnen Abfall im Jahr produziert werden. Diese Menge entspricht dem Abfallvolumen einer Kleinstadt mit ca. 18.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Im Rahmen ihres Projektes hat das Team um Dr. Lukas Welsch untersucht, welche Abfallmengen bei verschiedenen stationären und ambulanten endoskopischen Interventionen am Gastrointestinaltrakt (GI-Trakt) anfallen und ob sich hier Einsparpotenziale identifizieren lassen.

Im Untersuchungszeitraum von einem Monat wurden in zwei Kliniken und zwei gastroenterologischen Praxen 2.889 Endoskopien durchgeführt, bei denen insgesamt 2.558 kg Abfall anfielen. Umgerechnet sind das 1,2 kg Abfall pro Untersuchung, was in etwa dem Abfallvolumen entspricht, welches ein Durchschnittsbürger pro Tag in Deutschland produziert. Knapp ein Fünftel dieser Abfälle ließen sich laut dem Team von Dr. Welsch problemlos recyceln. Darunter verschiedene Verbrauchsmaterialien wie Kittel, aber auch nicht kontaminierte Instrumente u. ä., die in den Kreislauf zurückgegeben werden könnten. So könnten sowohl Abfallmengen als auch der CO2-Fußabdruck der Gastroenterologie deutlich reduziert werden.

Ähnliches belegt auch eine Multikriterienanalyse des französischen Forscherteams um Dr. Joel Lacoute. Dabei wurde weltweit erstmals der CO2-Fußabdruck einer ambulanten gastrointestinalen Endoskopie untersucht, mit dem Ergebnis, dass eine endoskopische Untersuchung als drittgrößter Abfallverursacher im Gesundheitswesen gilt. Pro Untersuchung geht das Team von durchschnittlich 28,4 kg CO2 aus, wovon knapp 3 Prozent ausschließlich auf den Bereich Entsorgung fallen. Verschiedene Projekte arbeiten aktiv daran, diese Emissionen zu reduzieren. Darunter beispielsweise das Projekt „Grüne Endoskopie“ vom Uniklinikum Würzburg, welches verschiedene Maßnahmen bündelt, mithilfe derer die Emissionen einer Endoskopie um bis zu 18 Prozent reduziert werden können. Das Projekt wurde 2024 mit dem Martin-Gülzow-Preis ausgezeichnet, den die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) für herausragende wissenschaftliche Arbeiten vergibt.

Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit.