Influenza, RSV, Hepatitis oder auch Chlamydien – all diese Infektionskrankheiten lassen sich mittels diagnostischem Schnelltest zuverlässig in der Arztpraxis, im Krankenhaus, aber auch zu Hause feststellen. Gerade während der COVID-19-Pandemie, wo viele Menschen regelmäßig einen Schnelltest durchführten, entstanden so Millionen Tonnen an zusätzlichen Kunststoffabfällen. Im Gesundheitswesen werden diese Abfälle nach AS 18 01 04 entsorgt, Tests für den Hausgebrauch über den Restabfall. Beide Abfallgruppen werden nicht recycelt, sondern verbrannt, womit wertvolle Rohstoffe dem Stoffkreislauf verloren gehen.
Forscherinnen und Forscher der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD) arbeiten aktuell an einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Alternative, die zur Reduzierung von Kunststoffabfällen im Gesundheitswesen beitragen soll. Im Rahmen des Projektes „BioMat“ hat das Forscherteam der HTWD gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI sowie den Unternehmen Bergi-Plast GmbH, Otto Injection Molding GmbH & Co. KG und Roboscreen GmbH einen kompostierbaren Schnelltest entwickelt, der für den Nachweis von Hepatitis C eingesetzt wird. Ziel des Projekts ist es, biobasierte kompostierbare Materialien für die medizinische Diagnostik zu entwickeln, um langfristig die Zahl an erdölbasierten Einwegprodukten in der Medizin zu reduzieren.
Das Forschungsteam setzt für die neuen Schnelltests auf Polybutylensuccinat (PBS), ein biologisch abbaubares Polyesterpolymer. Der Bio-Kunststoff wird aus cellulose- und lignocellulosehaltigen Materialien gewonnen, darunter beispielsweise Gras und Holz, aber auch aus Reststoffen aus Biogasanlagen oder der Papierindustrie. Die Polymere lassen sich besonders gut weiterverarbeiten, womit sie sich vor allem für die Herstellung medizinischer Produkte eignen. Großer Vorteil: Unter industriellen Bedingungen kompostieren Materialien wie die Schnelltests der HTWD innerhalb von knapp sechs Wochen. Aktuell sind die innovativen Tests aus regulatorischen Vorgaben noch nicht für den Markt zugelassen, da medizinische Abfälle aus hygienischen Gründen in der Regel verbrannt werden müssen. Das Forschungsprojekt zeigt aber einen möglichen Weg auf, diagnostische Einwegprodukte nachhaltiger zu gestalten und Abfälle, die bis dato verbrannt werden mussten, in den Stoffkreislauf zurückzugeben.