Krankenhausabfälle Abfälle aus der humanmedizinischen oder tierärztlichen Versorgung

Im gesamten Gesundheitswesen und insbesondere in Krankenhäusern und Kliniken fallen große und – je nach medizinischer Ausrichtung – unterschiedliche Mengen spezifischer Abfälle an. Ein erster Blick auf die Gesamtzahl der Krankenhäuser, Arztpraxen und medizinischen Labore in Deutschland macht deutlich, dass Abfälle aus humanmedizinischer oder tierärztlicher Versorgung und deren Entsorgung für Abfallbeauftragte eine große logistische Aufgabe mit entsprechend hoher Verantwortung darstellen – aus hygienischer und infektionstechnischer Sicht ebenso wie aus Datenschutz- und Umweltgründen.

Das Statistische Bundesamt zählt für die Bundesrepublik aktuell 1.980 Krankenhäuser sowie rund 1.200 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen. Hinzu kommen rund 75.000 Arztpraxen, 42.000 Zahnarztpraxen und 1.700 medizinische Laboratorien. Alle medizinischen Einrichtungen innerhalb Deutschlands berücksichtigt, fallen jährlich allein an humanmedizinischen oder tierärztlichen Abfällen rund 334.000 Tonnen an. Fügt man diesen Zahlen alle anderen Abfallarten hinzu, produziert eine Klinik am Tag schnell rund sieben bis acht Tonnen Abfall – das sind auf alle Krankenhäuser hochgerechnet im Jahr rund 4,8 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Das gesamte Abfallaufkommen in Deutschland beträgt rund 401 Millionen Tonnen. Viele Zahlen, die aber eines sehr deutlich herausstellen: Es wird künftig im Gesundheitswesen immer wichtiger, auf Ressourcen zu achten, effizient zu planen, umweltgerecht zu entsorgen und Wertstoffe zurückzugewinnen. Die Aufgaben des Abfallbeauftragten gewinnen in dieser Hinsicht zunehmend an Bedeutung.

Welche Abfälle fallen in Krankenhäusern an?

Bei Krankenhausabfällen handelt es sich um verschiedenste Stoffe, Materialien und Gegenstände. Es können eine einfache Serviette, Papier oder Glasflaschen sein, aber auch Desinfektionsmittelbehälter, Kanülen, Medikamentenreste, Organe oder veraltete Medizingeräte. Abfälle aus der humanmedizinischen oder tierärztlichen Versorgung und Forschung werden nach Kapitel 18 der Abfallverzeichnisverordnung je nach Art, Beschaffenheit, Zusammensetzung und Menge nachfolgenden Kategorien zugeordnet:

  • 180101 Spitze oder scharfe Gegenstände (außer 180103*)
  • 180102 Körperteile und Organe, einschließlich Blutbeuteln und Blutkonserven (außer 180103*)
  • 180103* Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden
  • 180104 Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen gestellt werden (z. B. Wund- und Gipsverbände, Wäsche, Einwegkleidung, Windeln)
  • 180106* Chemikalien, die aus gefährlichen Stoffen bestehen oder solche enthalten
  • 180107 Chemikalien mit Ausnahme derjenigen, die unter 180106* fallen
  • 180108* zytotoxische und zytostatische Arzneimittel
  • 180109 Arzneimittel mit Ausnahme derjenigen, die unter 180108* fallen
  • 180110* Amalgamabfälle aus der Zahnmedizin
  • 180202 Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden
  • 180203 Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen gestellt werden
  • 180205* Chemikalien, die aus gefährlichen Stoffen bestehen oder solche enthalten
  • 180206 Chemikalien mit Ausnahme derjenigen, die unter 180205* fallen
  • 180207* zytotoxische und zytostatische Arzneimittel
  • 180208 Arzneimittel mit Ausnahme derjenigen, die unter 180207* fallen

Einen kompletten Überblick über alle relevanten Abfallarten und deren Zuordnung zu der AVV-Abfallklassifikation (Abfallschlüssel) finden Sie in unserer Übersicht.

Abfallmengen in Krankenhäusern

Alles in allem müssen Abfallbeauftragte den Überblick über hundert verschiedene Abfallarten behalten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes machen krankenhausspezifische Abfälle aus Behandlung und Pflege in etwa 30 Prozent des Gesamtvolumens aus. Etwa 60 Prozent sind überwiegend hausmüllähnliche Abfälle. Hinzu kommen noch etwa zehn Prozent gefährliche Abfälle, die zu drei Prozent infektiöse und zu sieben Prozent schadstoffhaltige Abfälle beinhalten. Im Vergleich zu diesen Zahlen direkt aus den Krankenhäusern, ergibt ein Blick auf die Gesamtzahlen des Statistischen Bundesamtes und die in Entsorgungsanlagen entsorgten Abfallmengen ein noch spezifischeres Bild für den gesamten Gesundheitsbereich. Demnach sind rund 90 Prozent aller medizinischen Abfälle, die in Entsorgungsanlagen in Deutschland entsorgt werden, hausmüllähnliche Abfälle (180104) – in Zahlen 309.000 Tonnen. An deren Sammlung und Entsorgung sind aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen zu stellen. Es handelt sich u.a. um Wund- und Gipsverbände, Wäsche, Einwegkleidung oder auch Windeln. Zirka 10.000 Tonnen sind Abfälle des Abfallschlüssels 180103*, und damit Abfälle die aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen bei der Sammlung und Entsorgung nach sich ziehen.

Abfallmengen in Zahlen

  • 309.000 Tonnen Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen gestellt werden (180104)
  • 9.900 Tonnen Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden (180103*)
  • 6.500 Tonnen Arzneimittel (180109)
  • 2.600 Tonnen Körperteile und Organe, einschließlich Blutbeutel und Blutkonserven (180102)
  • 2.200 Tonnen Abfälle aus tierärztlicher Versorgung und Forschung, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen gestellt werden (180203)
  • 1.800 Tonnen zytotoxische und zytostatische Arzneimittel (180108*)
  • 800 Tonnen spitze und scharfe Gegenstände (180101)
  • 400 Tonnen Abfälle aus tierärztlicher Versorgung und Forschung, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden
  • 200 Tonnen Chemikalien (180107)
  • 200 Tonnen Chemikalien, die aus gefährlichen Stoffen bestehen oder solche enthalten (180106*)

(Quelle: Statistisches Bundesamt, 2014)

Quellen