Das Interesse an Silber auf dem Weltmarkt wächst – und das nicht nur seitens des Finanzmarkts, sondern auch die Industrie benötigt immer größere Mengen des Edelmetalls. Eine Studie der Universität Gent zeigt auf, dass vor allem der Bedarf des Photovoltaiksektors zukünftig auf bis zu 40.000 Tonnen steigen wird – das entspricht über 40 Prozent der globalen Fördermenge. Aktuelle Kapazitäten sind allerdings nicht ausreichend, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen.
Der Grund: Mehr als 70 Prozent des weltweit produzierten Silbers fallen lediglich als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle wie Blei, Zink, Kupfer oder Gold an. Nur rund 30 Prozent stammen aus Minen, die gezielt Silber fördern. Das Forscherteam um Vittoria Cattaneo hält es daher für unwahrscheinlich, dass die Silberproduktion bis 2030 so stark gesteigert werden kann, dass der Bedarf vollständig gedeckt wird – unter anderem, weil dafür die nötigen Förderstrukturen fehlen. Hinzukommt, dass es sich bei dem Metall um einen endlichen Rohstoff handelt. Damit gewinnen Kreislaufwirtschaftsstrategien wie reduce, recycle and refurbish immer mehr an Bedeutung.
Aber was hat das mit dem Gesundheitswesen zu tun und wie kann die Branche bei der Lösung dieses Problem unterstützen? Hier kommen alte Röntgenfilme als wertvolle Ressource ins Spiel: Neben Silber ist in analogen Röntgenaufnahmen auch Kunststoff enthalten. Beide Rohstoffe können aufbereitet und in den Kreislauf zurückgeführt werden. Sind die Aufbewahrungsfristen von Röntgenbildern abgelaufen – diese betragen nach § 85 (2) Nr. 2 Strahlenschutzgesetzes (StrlSchG) für Aufnahmen aus Untersuchungen 10 Jahre – sind medizinische Einrichtungen gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) als Abfallerzeuger verpflichtet, Röntgenbilder ordnungsgemäß zu verwerten. Dafür übergeben die Einrichtungen ihre analogen Aufnahmen an einen zertifizierten Entsorger, der die datenschutzkonforme Vernichtung der sensiblen Patientenakten übernimmt und gleichzeitig die Rohstoffe in den Kreislauf zurückführt.
Um die wertvollen Rohstoffe zurückzugewinnen, werden die Aufnahmen durch das Entsorgungsunternehmen in speziellen Anlagen geschreddert und in einem Enzymbad behandelt. Die darin enthaltenen Chemikalien lösen die silberhaltige Schicht von den Kunststoffbestandteilen. Das zurückgewonnene Silber kann dann beispielsweise als elektrischer Leiter in Photovoltaikanlagen oder in der Industrie wieder eingesetzt werden.