Dass Infektionsprävention in Rehabilitationseinrichtungen relevant ist, ist nicht neu – auch die aktuellen Empfehlungen der KRINKO machen das deutlich. Diese reichen von der Abwägung zwischen Hygienemaßnahmen und Rehabilitationszielen über den Umgang mit unterschiedlichen Risikogruppen bis hin zu konkreten Maßnahmen der Basishygiene, wozu auch ein funktionierendes Abfallmanagement gehört.
Patientinnen und Patienten besuchen Reha-Einrichtungen, um sich nach einer Operation, einem Unfall oder einer schweren Erkrankung zu erholen und wieder zu Kräften zu kommen, um ihren Alltag danach möglichst ohne Einschränkungen bewältigen zu können. Viele Rehabilitanden befinden sich in einem gesundheitlich geschwächten Zustand und sind dadurch anfälliger für Infektionen als gesunde Menschen, sodass Hygienemaßnahmen in medizinischen Einrichtungen besonders konsequent umgesetzt werden müssen.
Die im August 2025 veröffentlichte Empfehlung der Kommission für Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen und in Einrichtungen und Unternehmen der Pflege und Eingliederungshilfe (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) schafft erstmals einen eigenen Rahmen für die Infektionsprävention in stationären und ambulanten Rehabilitationseinrichtungen. Frührehabilitationsabteilungen hingegen unterliegen weiterhin den strengeren KRINKO-Empfehlungen für Krankenhäuser, da sie rechtlich der Krankenhausbehandlung zugeordnet sind.
Bewertung des Infektionsrisikos in Reha-Einrichtungen
Bis dato teilte die KRINKO das Infektionsrisiko in Gesundheitseinrichtungen in drei verschiedene Risikokategorien ein: hoch, mittel und niedrig. Da das Risiko in Rehabilitationsabteilungen oder -einrichtungen aber im Regelfall deutlich geringer als in Kliniken ist, werden mit der neuen KRINKO-Empfehlung zwei weitere Kategorien eingeführt: „geringes“ und „alltagsgleiches“ Risiko. Bei dieser Beurteilung werden sowohl die Reha-Einrichtung als solche als auch die dort betreuten Patientinnen und Patienten in Bezug auf ihr Infektionsrisiko berücksichtigt.
Für jede dieser Kategorien gelten entsprechende Hygienestandards, die je nach konkretem Fall und Rehabilitand unter Umständen angepasst werden. Bei offenen Wunden oder einem geschwächten Immunsystem wären beispielsweise strengere Hygienemaßnahmen notwendig. Jede Reha-Einrichtung muss hier individuelle Risikoanalysen durchführen, aus denen ggf. notwendige Anpassungen – etwa bei der baulichen Ausstattung, den Qualifikationen des involvierten Personals oder den eingesetzten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden – resultieren. Für Einrichtungen mit hohem, mittlerem, niedrigem und geringem Infektionsrisiko empfiehlt die KRINKO zudem, eine Hygienekommission zu bilden, die mindestens einmal jährlich zusammenkommen sollte. Wird die Einrichtung mit der Kategorie „alltagsgleiches Risiko” eingestuft, ist dies nicht notwendig.
Basishygiene als Fundament der Präventionsmaßnahmen
An oberster Stelle der Basismaßnahmen für Reha-Einrichtungen steht die Handhygiene: Regelmäßiges Händewaschen und Händedesinfizieren sind am wirksamsten, um Infektionen zu verhindern. Hinzu kommen sogenannte Barrieremaßnahmen wie das Tragen von Handschuhen, Schutzkleidung oder Mund-Nasen-Schutz, wenn Kontakt mit potenziell infektiösem Material oder infizierten Patientinnen und Patienten bestehen könnte. Und auch Oberflächen, die häufig berührt werden, müssen regelmäßig desinfiziert werden – das gilt besonders für Türgriffe, Handläufe sowie Therapiegeräte. Auch die Art der Unterbringung beeinflusst das Infektionsrisiko, beispielsweise wenn sich Rehabilitanden ein Zimmer teilen.
Zu den weiteren Basismaßnahmen gehören:
- Aufbereitung von Medizinprodukten,
- Betthygiene und Bettwäsche,
- Wäscheentsorgung, -aufbereitung und -versorgung,
- Aufklärung von Rehabilitanden und Besuchern sowie
- ein sicheres Abfallmanagement.
Wenn Einrichtungen die Grundregeln der Basishygiene konsequent befolgen, können Infektionsausbrüche in der Regel wirksam verhindert und Rehabilitanden, Mitarbeitende sowie Besucherinnen und Besucher effektiv geschützt werden.
Medizinische Abfälle und Hygiene in Rehakliniken
Ein durchdachtes Abfallmanagement ist neben der Basishygiene ein entscheidender Faktor bei der Infektionsprävention. Werden medizinische Abfälle nicht korrekt getrennt, übertragen sich Keime, die eine potenzielle Gefahr für Mitarbeitende sowie Patienten und Patientinnen darstellen. Der Großteil der spezifischen medizinischen Abfälle aus Rehabilitationseinrichtungen ist nach Abfallschlüssel 18 01 04 zu entsorgen, als Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen gestellt werden. Dazu gehören typischerweise nicht kontaminierte Verbandsmaterialien, Einwegprodukte wie Handschuhe oder Schutzkittel und Inkontinenzartikel.
Bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten, die an einer Infektionskrankheit leiden, kommt es zu Abfällen, die unter AS 18 01 03* einzustufen sind. Dieser Schlüssel erfasst infektiöse Abfälle, die ein tatsächliches Übertragungsrisiko darstellen, wie etwa Material mit Kontakt zu infizierten Wunden, Abfälle aus der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit multiresistenten Erregern (MRE) oder Ausscheidungen bei bestimmten Infektionskrankheiten. Diese Abfälle müssen getrennt gesammelt, in geeigneten Behältern sicher verschlossen und gemäß den geltenden Vorschriften entsorgt werden.
Gerade weil Rehaeinrichtungen auf den ersten Blick kein hohes Infektionsrisiko zu haben scheinen, besteht die Gefahr, dass infektiöse Abfälle fälschlicherweise unter 18 01 04 entsorgt werden. Abfallbeauftragte sollten deshalb gemeinsam mit den Hygienebeauftragten regelmäßig prüfen, welche Patientengruppen in der Einrichtung behandelt werden und ob sich daraus besondere Anforderungen an die Abfalltrennung ergeben.
KRINKO-Empfehlung: Hygienebeauftragte Pflegekräfte
Im Rahmen einer Analyse hat die KRINKO den Bedarf von Hygienebeauftragten Pflegekräften – den sogenannten HBP – in der klinischen Pflege und in klinischen medizinischen Assistenzberufen identifiziert, deren Einsatz sie auch in Rehabilitationseinrichtungen sowie anderen Bereichen wie der Physiotherapie empfiehlt. In einer Reha nennt sich diese Position auch HBR – sprich Hygienebeauftragte Personen in Rehabilitationseinrichtungen. Eine HBR fungiert dabei als Multiplikator zwischen dem Hygieneteam und der jeweiligen Station und trägt so zur konsequenten Umsetzung der durch die KRINKO empfohlenen Hygienemaßnahmen bei. Gerade für Einrichtungen mit einem hohen bis niedrigen Infektionsrisiko sollte laut der KRINKO mindestens eine Person mit dieser Qualifikation pro Station vertreten sein. Auch für Einrichtungen mit der Risikokategorie „geringes Infektionsrisiko“ empfiehlt die KRINKO, „in jeder Fachabteilung eine HBR vorzuhalten und diese zu qualifizieren, um einen Multiplikator für Hygienemaßnahmen und zugleich einen Anlaufpunkt zur Klärung hygienischer Fragen zu haben”. Die Hygieneverantwortung liegt aber weiterhin bei der Leitung der Reha-Einrichtung.
Klare Empfehlungen für das Abfallmanagement in Rehabilitationseinrichtungen
Die neue KRINKO-Empfehlung für Reha-Einrichtungen schafft einen verlässlichen Rahmen für die Umsetzung von Hygienemaßnahmen in Rehabilitationseinrichtungen. Klar wird dabei: Hygiene- und Abfallbeauftragte müssen eng zusammenarbeiten, um den notwendigen Infektionsschutz für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende zu gewährleisten. Während sich die Hygienebeauftragten hier vor allem auf die Prävention von Infektionen, die Überwachung und die Erstellung geeigneter Hygienepläne fokussieren, kümmern sich die Abfallbeauftragten um die Entsorgung von Abfällen jeder Art. Gemeinsam muss aber sichergestellt werden, dass durch die Entsorgung von Abfällen keine Infektionsrisiken entstehen.
Beim Abfallmanagement kommt es besonders auf folgende Punkte an:
- Alle Abfälle korrekt trennen, erfassen und nach den jeweiligen Abfallschlüsseln entsorgen,
- dabei besonders auf infektiöse medizinische Abfälle, die unter AS 18 01 03* fallen, achten und
- die bereichsspezifischen Hygienepläne einhalten und alle Maßnahmen der Basishygiene – wie Flächendesinfektion oder Barrieremaßnahmen – auch bei der Abfallsammlung anwenden. Das schützt nicht zuletzt auch die Mitarbeitenden.




