Das Gesundheitswesen gehört weltweit mit 4,4 Prozent und in Deutschland sogar mit einem Anteil von 5,2 Prozent zu den größten CO2-Emittenten. Damit wächst auch der Handlungsdruck. Mit internationalen sowie nationalen Projekten setzt man sich deshalb verstärkt für mehr Klimaneutralität im Gesundheitssektor ein. Dazu zählt auch das Projekt des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main zur „Entwicklung von nachhaltigen und praxistauglichen Instrumenten und Kompetenzen in der hausärztlichen Praxis“ (NaPra). Die Projektverantwortlichen wollen Arztpraxen mit 132 individuell umsetzbaren Handlungsempfehlungen in 13 Themenbereichen – von der Reduzierung medizinischer Verbrauchsmaterialien bis zur Büroorganisation – ein praxisnahes Werkzeug für mehr Ressourcenschutz an die Hand geben. Ein zentraler Bestandteil ist dabei das Entsorgungsmanagement in Arztpraxen.
Das Abfallmanagement in Praxen muss zwei wesentliche Anforderungen erfüllen: Einerseits soll es sich möglichst reibungslos in den Praxisalltag einfügen, andererseits müssen alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. In vielen Einrichtungen fehlen aber klare Strukturen, beispielsweise bei Trenn- und Entsorgungssystemen. Das wirkt sich auf Recyclingquoten sowie Entsorgungskosten aus und erhöht gleichzeitig den CO2-Fußabdruck der Praxen. Ein effektives Abfallmanagement gilt somit als wesentlicher Bestandteil jeder Nachhaltigkeitsstrategie.
Mit dem digitalen Toolkit NaPra hat das Team der Goethe-Universität u. a. konkrete Maßnahmen zum Abfallmanagement zusammengestellt, darunter Abfallvermeidung etwa durch das Abbestellen von Werbematerialien oder unnötigen Produktproben. Zudem wird empfohlen, ein strukturiertes Trennsystem mit klar beschrifteten Behältern an strategisch sinnvollen Standorten einzuführen. Ein weiterer wichtiger Aspekt: die fachgerechte Entsorgung von Medikamentenresten. Dabei steht vor allem der Umweltschutz im Vordergrund, denn wenn Medikamente über die Toilette oder den Abfluss entsorgt werden, können sie Grundwasser und Fließgewässer verschmutzen. Nicht zu unterschätzen ist laut dem Maßnahmenpaket auch die regelmäßige Sensibilisierung von Mitarbeitenden zur Abfallvermeidung und Abfalltrennung. Das kostenlose Toolkit bewertet jede Maßnahme hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit und des CO2-Einsparpotenzials und bietet Praxen somit eine Orientierungshilfe, um Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit stärker zu priorisieren.