Interview mit Dr. Andreas Gassner Kuhmilch, Tiermist und Herpesviren bei Kois an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Abfallbeauftragter Dr. Andreas Gassner vor der Klinik für Kleintiere (Foto: Abfallmanager Medizin)
Abfallbeauftragter Dr. Andreas Gassner vor der Klinik für Kleintiere (Foto: Abfallmanager Medizin)

Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) ist eine sowohl national als auch international renommierte Universität mit veterinärmedizinischen Wissenschaften und einer interdisziplinären Ausrichtung. Gegründet wurde sie 1778 und gilt damit als älteste veterinärmedizinische Lehrstätte Deutschlands. Sechs Kliniken und 18 Institute befassen sich an der Stiftungshochschule in Niedersachsen mit der Entstehung, Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten bei Tieren. In der Forschungsarbeit stehen Themen wie Infektionsmedizin, Tiergesundheit und Lebensmittelqualität im Mittelpunkt. Es gibt spezielle Kliniken für Hunde und Katzen, Reptilien und Vögel, Institute für Virologie und Pathologie und eine Abteilung für Fischkrankheiten. Bereits seit 1993 wacht Dr. Andreas Gassner über Abfälle, Gefahrstoffe und den Umweltschutz. Mit ihm haben wir uns über Operationen bei Fischen, Tiermist und überschüssige Milch von Kühen unterhalten.

Zur Person: Andreas Gassner

  • Leiter der Stabsstelle Abfallwirtschaft & Umweltschutz
    (Gefahrgut, Gefahrstoffe, Strahlenschutz, Gentechnik, Sonderabfälle, Abwasser)
  • Organisation der Abfallentsorgung einschließlich Eröffnen von Entsorgungswegen
  • Beratung aller Hochschulangehörigen im Umgang mit Gefahrstoffen und Sonderabfällen
  • Organisation der internen Weiter- und Wiederverwendung von Reststoffen (Chemikalienbörse)
  • zentrale Erfassung von gentechnischen Anlagen und Strahlenschutzbereichen sowie Koordination des Schriftwechsels mit zuständigen Behörden
  • Beratung aller Hochschuleinrichtungen zu Strahlenschutz- und Gentechnikangelegenheiten

Sehr geehrter Herr Gassner, bei der Vielzahl an Kliniken und Instituten an der TiHo: Über welche Arten und Mengen Abfall sprechen wir?

Andreas Gassner: Neben den Abfällen, die jede Hochschule oder Klinik produziert, fallen an einer tiermedizinischen Einrichtung wie der Tierärztlichen Hochschule noch spezielle Abfälle an. So müssen Kühe, die als Patienten aufgenommen werden, natürlich auch weitergemolken werden. Hier sprechen wir von Milchmengen von ca. 3.000 bis 4.000 Liter pro Woche. Des Weiteren fällt sehr viel Tiermist von einstehenden Patienten, insbesondere Pferden, Kühen und Klauentieren an, ca. acht Wagen pro Woche. Dies entspricht einer Jahresmenge von ca. 1.500 Gewichtstonnen. Und auch verstorbene oder zur Sektion angelieferte Tiere müssen entsorgt werden. Diese Tiere müssen in Deutschland nach dem Tierkörperbeseitigungsgesetz (TierKBG) in eine gesonderte Tierkörperbeseitigungsanstalt verbracht werden. Hier fallen wöchentlich noch einmal ca. zehn Gewichtstonnen an.

Dass Hunde und Katzen zum Impfen oder für die Behandlung von Krankheiten zum Arzt müssen, ist hinlänglich bekannt. Sie verfügen hier allerdings auch über eine Abteilung für Fischkrankheiten. Kommen Fischbesitzer mit einzelnen Tieren zu Ihnen? Und werden z. B. auch Operationen durchgeführt?

Andreas Gassner: Unsere Abteilung Fischkrankheiten kümmert sich um die Untersuchung und Behandlung von kranken Fischen und ist aber auch in der Infektionsforschung unterwegs. Hier steht das Koi-Herpesvirus, das sowohl Zierkarpfen, die Kois, als auch die Nutzkarpfen befällt, im Mittelpunkt. Dieses hochinfektiöse Virus hat in einigen Beständen eine Todesrate von 80-100 Prozent. Es ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die zu Hautveränderungen mit vermehrter Schleimbildung sowie Verfärbungen an Kiemen und Flossen führt. Sollten Patienten mit solchen Symptomen angemeldet werden, legen wir diese Fälle ans Ende der Sprechstunde. Das hat den Grund, dass der Behandlungsraum nach Reinigung und Einwirkung des Flächendesinfektionsmittels über Nacht für den nächsten Tag wieder steril ist und das Virus nicht auf andere Patienten übertragen werden kann.

Bei unseren Patienten kann es sich sowohl um Zierfische aus Aquarien als auch um Fische oder Krebse aus Flüssen oder Teichen handeln. Die Patienten werden nach vorheriger Anmeldung mitgebracht und hier vorgestellt. Der Fisch wird in einem Klarsichtbeutel gebracht, der mit so viel Wasser gefüllt ist, dass der Fisch aufrecht schwimmen kann. Ganz wichtig ist, dass der Beutel so verschlossen wird, dass ausreichend Luft oberhalb der Wasseroberfläche vorhanden ist. Es kam auch schon vor, dass Besitzer den Beutel direkt oberhalb des Wassers verschlossen haben und der Fisch bei Ankunft in der Klinik bereits tot war. Neben der Untersuchung des Patienten können auch Operationen unter Narkose durchgeführt werden, dabei werden bspw. Tumore entfernt.

Bei Ihnen werden auch Großtiere wie Rinder oder Pferde behandelt. Was finden da typischerweise für Behandlungen statt und welche Abfälle entstehen dabei?

Andreas Gassner: Eine Routinebehandlung bei Rindern, insbesondere bei Milchkühen, ist z. B. die Klauenpflege. Dabei werden der Kuh zunächst die Klauen gereinigt und dann geschnitten. Das Stutzen der Klauen ist ca. zwei bis dreimal pro Jahr erforderlich. Das ist so, als wenn wir Menschen uns die Fußnägel schneiden. Dasselbe gilt für die Hufe der Pferde, wir haben in der Klinik für Pferde eine eigene Schmiede mit einem Hufbeschlaglehrschmied. Neben regelmäßigem Hufbeschlag, z. B. bei den Hengsten des Niedersächsischen Landgestüts Celle, gehören auch spezielle orthopädische Beschläge zur Korrektur von Fehlstellungen.
Neben den Behandlungen bei Lahmheiten oder Infekten gibt es aber auch größere Operationen. Beim Pferd kann dies z. B. bei einer Darmverschlingung oder sogar Darmverschluss nach einer Kolik nötig sein. Bei Kühen spielt oft die Geburtshilfe eine wichtige Rolle. Im Idealfall kann eine Kuh ihr Kalb leicht allein zur Welt bringen. Sollte das Kalb jedoch viel zu groß oder im Mutterleib bereits verstorben sein, gibt es oft nur noch die Möglichkeit eines Kaiserschnittes. Bei diesem Eingriff wird der Kuh im Stehen seitlich die Bauchhöhle eröffnet.

Abfälle aus diesem Bereich sind die Milch von einstehenden Patienten, der Mist aus den Stallungen, Altmedikamente, Kunststoffemballagen von großen Tröpfen, spitze Gegenstände, Kanülen und Skalpelle sowie Tierköper oder Tierkörperteile, die in unser Institut für Pathologie zur Sektion oder zur Lagerung bis zur Abholung gebracht werden.

Was passiert mit den Abfällen aus den Stallungen wie Mist oder Kuhmilch? Die fallen hier in einem recht großen Umfang an.

Andreas Gassner: Der Mist geht in eine spezielle Biogasanlage, die nur Mist als Substrat verwendet. Auch die Milch liefern wir an eine Biogasanlage, die auch Küchenabfälle wie Fette aus Fettabscheideanlagen von Großküchen verarbeitet. Dabei ist die Milch allerdings nicht wegen ihres Gehaltes an biogasproduzierendem Anteil für die Betreiber der Anlage interessant, sondern zum Homogenisieren der anderen, oft festen Abfälle.

Aktuell stehe ich in Kontakt zu einer Firma in der Region Hannover, die nicht mehr verkehrsfähige Milch zu Textilien verarbeitet. Zurzeit arbeitet das Unternehmen am Aufbau des ersten Logistiksystems zur Sammlung von bislang technisch ungenutzter, nicht verkehrsfähiger Milch. Es bleibt also spannend.

Die Hochschule verfügt über ein eigenes Sonderabfalllager. Wofür wird dies hier genutzt?

Andreas Gassner: Als ich 1993 den Bereich Abfallwirtschaft und Umweltschutz übernommen habe, war das Wichtigste, die Sonderabfallsammlung sicherer zu gestalten. Ich mag es gar nicht sagen, aber bis dahin wurde alles, was flüssig gewesen ist, in einen 1000 Liter Abfallcontainer geschüttet.

1998 sind wir mit dem neu konzipierten Abfalllager in Betrieb gegangen. Sämtliche Sonderabfälle – mit Ausnahme der infektiösen medizinischen Abfälle – werden seitdem zentral bis zur Abholung durch das Entsorgungsunternehmen bereitgestellt. Dazu haben wir auf jeder Liegenschaft eine Sonderabfall-Annahmestelle eingerichtet. Die Abfallerzeuger liefern uns wöchentlich ihre Abfälle mit einer entsprechenden Deklaration an, wir ergänzen die gefahrgutrechtlichen Kennzeichnungen und fahren die Abfälle anschließend ins Lager. Dort werden sie getrennt nach den Abfallfraktionen halogenhaltige und halogenfreie Lösemittel, Säuren, Laugen, wässrige Konzentrate, Filter und Aufsaugmassen sowie Altmedikamente in verschiedenen Gitterboxen und anderen Abfallbehältern bis zur Abholung durch den Entsorger zwischengelagert.

Die Bereiche, in denen entzündbare Stoffe lagern, sind mit einer CO2-Löschanlage, die bei Branderkennung automatisch auslöst, ausgestattet.

Vielen Dank für das Gespräch.

Abfallbeauftragter Dr. Andreas Gassner vor der Klinik für Kleintiere (Foto: Abfallmanager Medizin)
Abfallbeauftragter Dr. Andreas Gassner vor der Klinik für Kleintiere (Foto: Abfallmanager Medizin)