Interview mit Carolin Liebel-Ros und Patrick Emmerlich Initiative „Carus Green“ priorisiert Ressourcenschutz im Krankenhaus

Mann und Frau in dunkler Kleidung draußen, Baum im Hintergrund

Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in einem komplexen Krankenhausbetrieb erfolgreich umzusetzen – dieser großen Aufgabe stellen sich Patrick Emmerlich (Referent für Umweltschutz) und Carolin Liebel-Ros (Betriebsbeauftragte für Abfall) mit einem Team von Mitarbeitern des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Um Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit im Klinikalltag zu fördern, setzt das Uniklinikum hier auf sein interdisziplinäres „Carus Green“-Team. Was das bereits bewegen konnte und welchen Beitrag ein gut organisiertes Abfallmanagement zum Ressourcenschutz beiträgt, erfahren wir im Interview.

Zur Person: Patrick Emmerlich

  • seit 2022 Referent für Umweltschutz am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
  • 2008 – 2022 Tätigkeiten als Projektingenieur und Research Assistent bei KeyNeurotek Pharmaceuticals AG und Institut für physiologische Chemie an der medizinischen Fakultät der TU Dresden
  • bis 2008 Studium der Biotechnologie an der Dualen Hochschule Sachsen

Zur Person: Carolin Liebel-Ros

  • seit 2022 Betriebsbeauftragte für Abfall am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
  • seit 2016 Mitarbeiterin in der Krankenhausökologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
  • 2011 – 2016 Tätigkeiten in verschiedenen Laboren, u.a. Stadtentwässerung Dresden, LUA Sachsen
  • bis 2011 Studium zur Diplom-Lebensmittelchemiker an der TU Dresden

Herr Emmerlich, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden stellt sich aktuell der Aufgabe, den Unternehmensbetrieb ressourcenschonender und energieeffizienter zu gestalten. Was heißt das konkret für Sie? Welche Projekte werden in diesem Zusammenhang angestoßen? 

Patrick Emmerlich: Für uns heißt das konkret, dass wir eine Vielzahl von Projekten umsetzen, die den Ressourcenverbrauch und unsere CO2-Emissionen systematisch reduzieren. Dazu gehört beispielsweise die bedarfsorientierte Steuerung der raumlufttechnischen Anlagen, vor allem in OP-Bereichen. Wir schalten diese Anlagen in OP-freien Zeiten in den Stand-by-Modus, was jährlich etwa 40 Megawattstunden Strom und rund 12 Tonnen CO2 einspart. Außerdem verzichten wir auf auf das Inhalationsanästhetikum Desfluran, um klimaschädliche Emissionen zu minimieren, und fördern nachhaltige Mobilität durch Angebote wie JobBike und Job-Ticket. Im Bereich Verpflegung setzen wir vermehrt auf pflanzenbasierte und regionale Speisen, und auch das Thema Mehrwegverpackungen in unseren Mitarbeiterrestaurants gewinnt an Bedeutung. Insgesamt haben wir seit Start unserer Umweltinitiative „Carus Green“ etwa 50 verschiedene Maßnahmen umgesetzt, die von einfachen Alltagslösungen bis hin zu technisch anspruchsvollen Infrastrukturprojekten reichen.

Ressourcenschutz im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Welche übergeordneten Ziele verfolgt das Klinikum im Bereich Ressourcenschutz?

Carolin Liebel-Ros: Unsere übergeordneten Ziele sind die Schaffung eines nachhaltigen Systems, das tatsächlich von allen Mitarbeitenden gelebt wird. Nachhaltigkeit ist für uns kein Lippenbekenntnis, sondern soll integraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur werden – auch um die Bindung von Fachkräften zu stärken. Wir wollen kontinuierlich unsere Umwelt- und Klimabelastung reduzieren und dabei die Sensibilisierung aller Mitarbeitenden fördern. Ein wichtiger Baustein ist die Ausbildung von Umwelt- und Energiebotschafterinnen und -botschaftern in allen Klinikbereichen, die als Multiplikatoren wirken. Zudem ist die Einführung eines zertifizierten Energiemanagementsystems nach ISO 50001, mit dem wir Einsparpotenziale systematisch erfassen und dokumentieren, ein weiterer Schritt in Richtung eines strukturellen und professionellen Umgangs mit dem komplexen Thema der nachhaltigen Transformation.

Nachhaltigkeit mit der „Carus Green“-Initiative

Das Universitätsklinikum Dresden hat sich in den vergangenen Jahren durch die Initiative „Carus Green“ zu einem der umweltfreundlichsten Krankenhäuser Deutschlands entwickelt und wurde für dieses Engagement mit dem Lohfert-Preis ausgezeichnet. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern Ihr Projekt einmal vorstellen? Was ist das Ziel der Initiative?

Patrick Emmerlich: „Carus Green“ ist aus einem interdisziplinären Trainee-Projekt entstanden und hat sich zu einer fest etablierten Mitarbeiterinitiative entwickelt. Kernziel ist es, den ressourcenintensiven Klinikalltag nachhaltiger zu gestalten und damit sowohl Gesundheits- als auch Klimaschutz zu fördern. Wir möchten praxistaugliche und transparente Lösungen schaffen, die von den Mitarbeitenden mitgetragen und gelebt werden. „Carus Green“ fungiert dabei als Dachmarke zur Bündelung und Sichtbarmachung unseres Engagements für ökologische Nachhaltigkeit.

Im Rahmen der „Carus Green“-Initiative ist ein Projektteam aktiv. Wie ist dieses Team aufgestellt und welche Aufgaben übernimmt es?

Patrick Emmerlich: Bisher war „Carus Green“ ein multiprofessionelles Team aus intrinsisch motivierten Mitarbeitenden, die sich vor allem als Ideengeberinnen, Ermöglicher und Begleiterinnen ökologischer Projekte innerhalb des Universitätsklinikums verstanden haben. Alle Teammitglieder brachten sich mit Engagement und Expertise aus dem eigenen Fachbereich ein, sodass eine lebendige, interdisziplinäre Zusammenarbeit entstand.

Aktuell planen wir eine Weiterentwicklung hin zu einer festen Steuergruppe, die als zentrales Gremium fungiert. Diese Steuergruppe übernimmt die Priorisierung der Maßnahmen und begleitet ihre Umsetzung übergreifend, wodurch Maßnahmen strategischer und zielgerichteter gesteuert werden können. Um die Steuergruppe bestmöglich zu unterstützen, soll es zukünftig Umwelt- und Energiebotschafterinnen und -botschafter in allen Klinikbereichen geben. Diese „Carus Green“-Botschafterinnen und Botschafter sind gewissermaßen die ‚Augen und Ohren‘ der Steuergruppe. Sie fungieren zugleich als Ideengeber und tragen den „Carus Green“-Gedanken in die breite Belegschaft – sie sensibilisieren, beantworten Fragen und motivieren Mitarbeitende, sich ebenfalls zu beteiligen.

Die Bandbreite der Maßnahmen ist mit rund 50 Projekten – von einfachen Alltagslösungen bis hin zu technisch aufwendigen Infrastrukturmaßnahmen – sehr groß. Können Sie uns besonders wichtige Projekte seit dem Start der Initiative näher vorstellen?

Patrick Emmerlich: Sehr prägend war unter anderem die Optimierung der Lüftungsanlagen in den OP-Bereichen, durch die wir erhebliche Energie- und CO2-Einsparungen erzielen konnten. Außerdem war die Umstellung der Anästhetika auf weniger klimaschädliche Gase ein wichtiger Schritt. Unsere Photovoltaikanlagen auf den Klinikgebäuden produzieren inzwischen jährlich rund 130 Megawattstunden Strom. Im Bereich Mobilität bieten wir verschiedene nachhaltige Optionen wie Job-Bike, Job-Ticket und abschließbare Fahrradkäfige an. Auch die Einführung von Mehrwegverpackungen und einer vegetarischen Menülinie im Mitarbeiterrestaurant sowie unsere Biodiversitätsmaßnahmen auf dem Klinikgelände, wie Blühwiesen und Insektenhotels, sind Beispiele für unser breites Spektrum. Ein spannendes Leuchtturmprojekt könnte die mögliche Nutzung der Abwärme der Protonentherapieanlage werden, mit der rund 800 Megawattstunden Wärme jährlich zurückgewonnen werden könnten. Dieses befindet sich aktuell aber noch in der Planungsphase.

Abfallmanagement und Recycling am Universitätsklinikum Dresden

Essenziell für mehr Nachhaltigkeit ist auch das Thema Kreislaufwirtschaft. Welche konkreten Projekte gibt es hier und welchen Einfluss nimmt die Initiative „Carus Green“ auf das Abfallmanagement? 

Carolin Liebel-Ros: Ein gutes Beispiel ist hier die Wiederverwendung von Styroporboxen im innerbetrieblichen Kühlwaren-Transport. Dadurch sparen wir erheblich an Material und Entsorgungskosten. Darüber hinaus trennen wir im Klinikum zunehmend mehr Abfälle gemäß ihrer Fraktionen: Wir sammeln beispielsweise Infusionsflaschen aus Polyethylen oder Pipettenspitzenboxen aus Polypropylen. Diese wurden früher als Krankenhausmüll entsorgt, können jetzt aber einem sortenreinen Recycling zugeführt werden. Insgesamt fördern wir die Abfalltrennung in allen Bereichen und unterscheiden zwischen ungefähr 50 verschieden Abfallarten, welche separat gesammelt und entsorgt bzw. recycelt werden.

Wir haben bereits 2017 mit Ihrer damaligen Kollegin Monika Brandt ein Interview über Nachhaltigkeit und Abfallmanagement geführt. Was hat sich seitdem getan?

Carolin Liebel-Ros: Seit 2017 hat sich vieles weiterentwickelt, doch es gab auch Herausforderungen. Durch die Coronapandemie, wirtschaftliche Entwicklungen, die Energiekrise und den Fachkräftemangel hat das Thema ökologische Nachhaltigkeit – nicht nur gesamtgesellschaftlich, sondern auch bei uns am Klinikum – zeitweise etwas an Priorität verloren. Umso wichtiger ist die ungebrochene Motivation einzelner Mitarbeitenden. Und auch unser neuer Vorstand, der seit Anfang 2025 im Amt ist, verleiht dem Thema nun wieder neuen Schwung. Besonders durch die Einführung des Energiemanagementsystems erhoffen wir uns einen Schulterschluss zwischen ökologischen und ökonomischen Vorteilen. Zusätzlich soll die bereits erwähnte Weiterentwicklung von „Carus Green“, wie etwa die Etablierung einer festen Steuergruppe und die Ausbildung von Umwelt- und Energiebotschafterinnen und -botschaftern, das Thema künftig noch breiter und wirksamer im Klinikum verankern. Mit vielen kleinen Einsparmaßnahmen lässt sich so in Summe eine große Wirkung erzielen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit.