KLIK green Krankenhaus trifft Klimaschutz

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Am Uniklinikum Jena wird betrieblicher Umweltschutz vielfältig praktiziert (Foto: Michael Szabó, UKJ)

Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) führt umfangreiche Umweltschutzmaßnahmen durch. Insbesondere in dem ab Ende 2016 neu bezogenen Standort in Jena Lobeda fand das Thema Umweltschutz in der Planung Berücksichtigung; angefangen von einem grünen Campus mit Regenwassermanagement über die Bausubstanz und einer kompakten Gebäudestruktur bis hin zu energetischen Verbesserungen beim Heizen, Wassermanagement, raumlufttechnischen Anlagen und bei der Beleuchtung. Somit wundert es kaum, dass das Uniklinikum als einer von drei Projektpartnern (BUND Berlin, UKJ, Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen) federführend am Projekt KLIK green beteiligt ist und die Ausbildung von Klinikbeschäftigten zu Klimamanagern unterstützt. Geplant ist, an 250 Krankenhäusern und Reha-Kliniken Angestellte zu qualifizieren. Das lancierte Ziel: mit energetischen und ressourcenschonenden Maßnahmen mehr als 100.000 Tonnen CO2-Emissionen zu vermeiden. Wir haben uns mit der Projektbearbeiterin Anni Blumenstock und dem Umweltschutzbeauftragten des Uniklinikums Jena Dr. Marc Hoffmann über das Projekt unterhalten.

Zur Person: Dr. Marc Hoffmann

  • Leiter Stabsstelle Umweltschutz

Zur Person: Anni Blumenstock

Mehr als 5.500 Mitarbeiter sind am UKJ tätig. Jährlich werden über 300.000 Patienten an 26 Kliniken und Polikliniken behandelt. Weiter erfolgen die Ausbildung von über 2500 Studierenden und Forschungsaktivitäten an wissenschaftlichen Instituten – und das in einer Vielzahl an Gebäuden in 11.300 Räumen. Es wird permanent Strom, Kälte und Wärme benötigt. Hinzu kommen zum Beispiel die Bereiche Beschaffung, IT, Mobilität, Speisenversorgung und das Ver- und Entsorgungsmanagement. Dennoch gilt das Universitätsklinikum als „Grünes Krankenhaus“. Wie sah bei Ihnen der letzte Umweltschutzbericht aus und wo konnten Einsparungen vorgenommen werden?

Dr. Marc Hoffmann: Der Bericht informiert in kompakter Weise über die Vielzahl an Aktivitäten unserer Mitarbeiter zum betrieblichen Umweltschutz. Im Focus sind zum Beispiel Themen wie Energienutzung, Transporte und Mobilität, Speisenversorgung, Einkauf und Verbrauchsgüter. Dieser wird auch genutzt, um Fakten, Ergebnisse und Erfolge zu präsentieren und so unsere Mitarbeiter, die Patienten, aber auch Anwohner und Geschäftspartner zu informieren. So konnte beispielsweise mit Wärmerückgewinnungsanlagen Heizenergie eingespart und mit einer Wertstofferfassung durch spezielle Abfallsammelbehälter die Hälfte des Abfallaufkommens recycelt werden. Oder bei der Speisenversorgung wurden Erzeugnisse regionaler Anbieter berücksichtigt, um lange Transportwege der Nahrungsmittel zu vermeiden.

Dr. Marc Hoffmann, Leiter der Stabstelle Umweltschutz (Foto: Michael Szabó, UKJ)

Dr. Marc Hoffmann, Leiter der Stabstelle Umweltschutz (Foto: Michael Szabó, UKJ)

Neben den vorhandenen, teilweise über 100 Jahre alten Gebäuden wurde vor allem an die Neubauten am Standort Lobeda besondere Anforderungen an den betrieblichen Umweltschutz gestellt. Worauf wurde von Beginn an geachtet?

Dr. Marc Hoffmann: Bei unseren Neubauten ist alles auf dem aktuellsten Stand, besonders bei der Gebäudeisolierung und Wegführung oder der Begrünung und der Regenwassernutzung – Stichwort Gründach. Das kann bei einem 100 Jahre alten Gebäude so nicht umgesetzt werden. Was für die Entsorgung toll ist: Wir verfügen durch die Kompaktheit der Gebäude und einer Zentralisierung an einem Standort über andere logistische Optionen. Wir haben diesbezüglich einen Quantensprung gemacht, zum Beispiel mit einem neuen Dienstleistungszentrum mit Wertstoffhof und der Nutzung des fahrerlosen Transportsystems. Wir benötigen für die vielen Kilometer, die zurückzulegen sind, weniger Manpower und können die Einsatzzeiten optimal nutzen.

Im Zuge des KLIK-Projekts, das vom Bundesumweltministerium im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative gefördert wird, erhält ein Mitarbeiter jeder teilnehmenden Klinik eine Qualifizierung zum „Klimamanager“. Sie sind einer der großen Unterstützer des Projekts KLIK green. Warum ist Ihnen das Projekt so wichtig?

Anni Blumenstock: Das Festlegen und Umsetzen von Klimaschutzzielen in den Einrichtungen ist eine große Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Als Koordinatorin unterstütze ich dabei, diese zu erreichen. Der Mehrwert in diesem Projekt ist, dass ein großer Austausch für das Thema Klimaschutz im Gesundheitswesen stattfindet, und das fachübergreifend. Über das eigene Klinikum hinaus vernetzen sich die Akteure miteinander. Aber auch intern wird das komplexe Thema Klima- und Umweltschutz bereichsübergreifend betrachtet. Klimaschutz geht weit über das vielbesprochene Thema Energie hinaus, es bezieht sich auch auf Bereiche wie Ressourcenverbrauch, Abfallentsorgung, Speisenversorgung und Logistik. Genau dort setzt das Projekt an und fördert sowohl den internen, als auch den externen interdisziplinären Austausch. So werden Impulse von anderen Einrichtungen auf-, und erfolgreiche Ideen übernommen.

Projektberaterin KLIK green Anni Blumenstock (Anke Schleenvoigt, Foto UKJ)

Projektberaterin KLIK green Anni Blumenstock (Anke Schleenvoigt, Foto UKJ)

Das Projekt bietet die Qualifikation zum „Klimamanager“. Wie bekommen Sie beispielsweise Abfall-beauftragte oder Technische Mitarbeiter dazu, sich an die Klinikleitung zu wenden und letzten Endes auch ein Team zu motivieren sich zu engagieren?

Dr. Marc Hoffmann: Der Abfall- oder Umweltbeauftragte ist mit umweltrelevanten Themen schon seit eh und je vertraut. Nun ist das Projekt nicht nur auf diese Funktionsbereiche ausgerichtet, die sowieso mit modernster Umwelttechnik aktiv arbeiten, sondern knüpft auch an weitere Bereiche an, wie zum Beispiel Beschaffung oder Fuhrparkmanagement. Es geht in dem Projekt insbesondere um Ressourcenverbrauch und dieser ist in einer Einrichtung des Gesundheitswesens sehr hoch. Wir alle sind Verbraucher und da setzt das Projekt an. Es soll sich innerhalb des Unternehmens eine Funktionseinheit bilden, die sich dann zum sogenannten „Kümmerer“, dem Klimamanager entwickelt – intern kann das auch ein Team sein.

Krankenhäuser sind ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft. Engagierte Leute gibt es überall und wenn diese während der Arbeit die Chance haben, sich solchen Themen zu widmen, dann haben wir mit dem Klimamanager bereits viel erreicht. Wenn zum Beispiel bei uns auf der Station Themen wie Abfalltrennung, LED-Leuchten, richtig Heizen und Lüften präsent sind, dann bringen die Mitarbeiter oder Patienten ihre persönlichen Kenntnisse mit oder nehmen auch Verhaltensweisen aus unserem Klinikum mit nach Hause.

Innerhalb von sechs Monaten konnten bereits 100 der angestrebten 250 Krankenhäuser für das Projekt gewonnen werden. Wie können sich weitere Krankenhäuser anschließen?

Anni Blumenstock: Wir haben die Krankenhäuser und Reha-Kliniken postalisch kontaktiert. Dazu kam die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Verbänden, Landesvereinigungen, Krankenhausträgern und bestehenden Netzwerken. Die Einladungen und Informationen gingen direkt an die Klinikleitungen, an die Vorstände und an die Geschäftsführer. Darüberhinaus sind die Rahmenbedingungen und alle relevanten Informationen auf der Website www.klik-krankenhaus.de öffentlich verfügbar. Dort können sich interessierte Einrichtungen für die Projektteilnahme anmelden. Sofern noch Kapazitäten bestehen, ist ein Einstieg in das Projekt bis Herbst 2020 möglich.

Gibt es Hilfestellungen für die Klinken oder muss jedes Haus selbst schauen, welche Schwerpunkte es sich innerhalb des Projekts setzt?

Anni Blumenstock: Wir begleiten die Kliniken individuell und bieten nach Bedarf auch vor Ort Termine an, um gemeinsam Prozesse zu besprechen und Lösungen zu finden. In erster Linie sollten die Workshops und Schulungen genutzt werden, um Ziele zu setzen und entsprechende Maßnahmenpläne zu erstellen. Dabei wird auch geschaut, welche Hürden es vielleicht gibt und wie die Kommunikation innerhalb des Klinikums stattfinden kann. Ein weiterer Schwerpunkt ist zudem die Fördermittelakquise, insbesondere wenn investive Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Große Häuser wie das Uni-Klinikum mit Forschungsbereichen, können auf eine Vielzahl an Erfahrungen zur Generierung von Fördermitteln zurückgreifen, darüber verfügen mittlere und kleinere Häuser nicht. Hier wollen wir bei der Recherche aktueller Förderprogramme unterstützen.

Dr. Marc Hoffmann: „Ohne Moos, nix los“ – das kann man ruhig so sagen und das Interesse ist hoch. Das bedeutet nicht, dass wir mit unserem Projektpartner zusammensitzen und die Anträge ausfüllen, aber wir können zumindest Impulse geben, im Zeitmanagement unterstützen und Hinweise zu Formalitäten geben. Wir begleiten die zukünftigen Klimamanager vielseitig, auch was die Soft- und Hardskills angeht. Wir helfen bei Fragestellungen wie zum Beispiel: Wie bearbeite ich die Projekte zielführend? Wie hilfreich ist Kommunikation bei Herausforderungen? Wie leite und motiviere ich ein Team? Zudem wollen wir auch unterstützen, wie innovative Themen überhaupt in die Häuser getragen werden können.

Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sind überall präsent. So gesehen ist dieses Projekt eigentlich nie zu Ende, denn die Themen bleiben ja präsent?

Anni Blumenstock: Offiziell läuft das Projekt bis April 2022 und innerhalb dieses Zeitraums gibt es das Ziel, durch die Beteiligung von 250 Einrichtungen den Ausstoß von Treibhausgasen um insgesamt 100.000 Tonnen CO2-Äquivalente zu reduzieren. Insofern hat die Unternehmung schon einen Endpunkt, an dem Bilanz gezogen wird. Aber eigentlich versteht sich das Projekt als ein Denkanstoß, aus dem sich Folgeaktivitäten ergeben. Viele Maßnahmen benötigen einen längeren Zeitraum, um richtig ins Rollen zu kommen. Schließlich werden weitere Schritte zur Verstätigung hinzukommen, und durch den Austausch im Netzwerk ergeben sich womöglich auch neue Ideen und Anknüpfungspunkte.

Wie stellen Sie sich persönlich das grüne Krankenhaus der Zukunft vor?

Dr. Marc Hoffmann: Ich will nicht in die Glaskugel schauen und sagen, wie das ökologische Krankenhaus in 20 Jahren aussieht, sondern ein Teil dieser Entwicklung sein. Zum Beispiel konnten wir an der Bearbeitung einer VDI Richtlinie teilnehmen (VDI 5800 Blatt 1, Nachhaltigkeit in Bau und Betrieb von Krankenhäusern), die hierzu Ansätze zur Anwendung bietet. Wir befinden uns in einer Art Weichenstellung und das zu begleiten, Diskussionen zu führen und als Klinikum Jena diesen Schritt zu gehen, ist unser Ansatz. ´

Anni Blumenstock: Wir sind Teil eines Prozesses. Die Transformation zum „grünen Krankenhaus“ geht einher mit der generellen Entwicklung zu mehr Klima- und Umweltschutz. KLIK green ist ein Teil davon, Ziel ist es, Impulse zu setzen und Anstrengungen zu unternehmen. Diese können über das Haus hinausgehen und wiederum andere Prozesse anstoßen. Mit dem Projekt wollen wir ein Zeichen setzen und zeigen, dass Klima- und Gesundheitsschutz miteinander vereinbar sind. Dabei trägt jedes Krankenhaus und jede Reha-Klinik seinen individuellen Teil dazu bei und ich denke, dass wir damit auf dem richtigen Weg zu mehr Klimaschutz im Gesundheitsbereich sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Am Uniklinikum Jena wird betrieblicher Umweltschutz vielfältig praktiziert (Foto: Michael Szabó, UKJ)