Abfallentsorgung während der COVID-19-Pandemie Abfallbeauftragte von Kliniken berichten aus der Praxis

Abfallmanager Medizin hat Abfallbeauftragte zur aktuellen Situation befragt (Foto: wellphoto, iStock)
Abfallmanager Medizin hat Abfallbeauftragte zur aktuellen Situation befragt (Foto: wellphoto, iStock)

Die Bekämpfung des SARS-CoV-2-Virus (COVID-19) stellt die gesamte Abfallentsorgung in Deutschland vor besondere Aufgaben. Arztpraxen, Krankenhäuser, Pflegeheime und auch Privathaushalte: Im medizinischen wie auch im häuslichen Bereich fallen mit Corona-Viren kontaminierte Abfälle an. In den Kliniken standen Abfallbeauftragte in den vergangenen Wochen immer wieder vor der Frage: Wie wird der (potenziell) mit Erregern behaftete Abfall der Patienten entsorgt? Das Robert Koch-Institut gibt hier entsprechende Hinweise, die mit steigenden Infiziertenzahlen und neuen Erkenntnissen regelmäßig, fast täglich angepasst werden. Wir haben die aktuelle Lage zusammengefasst und Abfallbeauftragte zu ihren Erfahrungen befragt.

Um die Verbreitung des Corona-Virus zu unterbinden, sind umfassende Hygienemaßnahmen unumgänglich. Dazu gehört auch die korrekte Entsorgung der anfallenden Abfälle, deren Entsorgung inzwischen nicht mehr ausschließlich Kliniken fordert.

Corona-Abfall in Privathaushalten

„Auch über nachlässig entsorgte Abfälle aus Quarantäne-Haushalten, Arztpraxen oder Kliniken ist die Ansteckung mit dem Coronavirus eventuell möglich“, warnt der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller. Wenn viele Menschen mit einem hochansteckenden Erreger Abfälle produzieren, stellt dies ein Risiko für das Umfeld dar: „Um eine sichere Entsorgung zu gewährleisten, sind deshalb Vorsichtsmaßnahmen nötig. Dabei geht es um die Gesundheit, insbesondere der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Entsorgungsträger“, so Untersteller weiter.

Extra Behälter für Corona-Abfälle

Ist eine Person im Haushalt positiv auf COVID-19 getestet worden, müssen auch Wertstoffe, Verpackungen, Bioabfälle sowie Materialien, die zum Abdecken von Mund oder Nase verwendet wurden, in der Restmülltonne entsorgt werden. Dazu zählen Taschentücher, Aufwischtücher, Einwegwäsche, Hygieneartikel und Schutzkleidung.

Die Empfehlung, den Müll von SARS-CoV-2-Infizierten separat zu sammeln, gehört zu den Entsorgungsleitlinien, die die EU-Kommission
während der Corona-Krise veröffentlichte. Im Zimmer eines Corona-Patienten sollte bspw. ein eigener Abfallbehälter stehen. Schutzkleidung oder Handschuhe von Betreuern müssen getrennt davon, ebenfalls im Zimmer des Patienten gesammelt werden. Sind die Abfalltüten fest verschlossen, werden diese über die Restmülltonne entsorgt.

Für nicht betroffene Haushalte ist es gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wichtig, Abfälle zu trennen. Dadurch werden die Entsorgungskapazitäten nicht überbelastet und Wertstoffe, wie beispielsweise Altpapier, Glas und Metalle, können wieder in den Rohstoffkreislauf zurückgelangen.

Angespannte Lage für die Entsorgungsbranche

Insgesamt kämpften die Müllentsorger in der EU mit einigen Schwierigkeiten, so die EU-Kommission. Dazu gehörten auch Personalmangel und die erhöhte Menge medizinischer Abfälle. Zudem beklagen Müllabfuhren in Deutschland einen Mangel an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln.

Das steigende Abfallaufkommen durch COVID-19 geht mit einer hohen Nachfrage an medizinischen Sonderabfallbehältern zur Entsorgung infektiöser Abfälle einher. Nicht nur der Bedarf an medizinischen Einrichtungen in Deutschland, auch der anderer Länder ist in der aktuellen Situation hoch. Zwischenzeitlich kommt es zu Engpässen bei der Verfügbarkeit der Behälter, da nicht nur die medizinischen Einrichtungen sich vorsorglich mit einem Notfallbestand eindecken wollten, wodurch auch vom individuellen Farbleitsystem der Kliniken abweichende Behälter-Farbkombinationen hingenommen werden müssen. Dadurch arbeiten Abfallbeauftragte und medizinisches Personal derzeit noch enger zusammen, um gefährliche Fehlabwürfe zu verhindern. Hier ist Sorgfalt gefragt, da der Abfallerzeuger für die korrekte Abfalldeklaration verantwortlich ist.

Abfallbeauftragte stehen vor neuer Situation

Susanne Sterzing ist Fachkrankenschwester für Hygiene und Infektionsprävention sowie Betriebsbeauftragte für Abfälle aus medizinischen Einrichtungen des Johanniter-Krankenhauses Rheinhausen in Duisburg. Für sie stellen insbesondere die sich ändernden Informationen und die damit verbundene Weitergabe an das Personal eine Herausforderung dar. Zudem hat das Haus wenig Lagerkapazitäten für infektiöse Abfälle: „Die Entsorger für infektiöse Abfalle haben alle viel zu tun und können ihre Intervalle zum Abholen nicht erhöhen. Durch erhöhtes Aufkommen von infektiösen Abfällen könnte es zu Engpässen bei den Lagerkapazitäten kommen. Somit haben wir uns entschieden nach der derzeit gültigen RKI-Empfehlung die Corona-Abfälle, sofern sie trocken sind, unter der ASN 180104 zu entsorgen.“

Auch Peter Hümpel, Betriebsbeauftragter für Abfall am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, orientiert sich bei der Entsorgung von Abfällen, die mit Sekreten oder Exkreten von SARS-CoV-2 kontaminiert sind, an den Empfehlungen des RKI: „Weitere Maßnahmen sind zur Zeit erst einmal nicht geplant. Besondere Probleme bei der Entsorgung sehen wir derzeit nicht.“

Bernd Althans, zuständig für die Themen Abfall, Arbeitssicherheit, Brandschutz und Gefahrgut am Bürgerhospital und Clementine Kinderhospital in Frankfurt am Main, setzt sich täglich mit COVID-19 auseinander: „Wir beobachten täglich die Seiten des RKI und der BGW auf Neuerungen und bekommen auch praxisnah aufbereitete Informationen über die Hessische Krankenhausgesellschaft und unseren Entsorger. Diese Neuerungen setzen wir auch tagesaktuell in unserem Qualitätsmanagementsystem um.
Die Zusammenarbeit mit unserem Entsorger klappt hervorragend, auch die Bereitstellung von Abfallbehältnissen mit UN-Zulassung ist bisher kein Problem, trotz erhöhtem Verbrauch.“ Insgesamt seien beide Häuser sehr gut vorbereitet gewesen und würden entsprechend gut mit der momentanen Situation umgehen.

Rechtzeitige Vorbereitung und Vorsorge

Holger Schröder, Abteilungsleiter für Arbeitssicherheit, Brand- und Umweltschutz beim Klinikum Darmstadt, stellt fest, dass sich sein Klinikum rechtzeitig und intensiv mit der Entsorgungsthematik zu COVID-19 befasst hat: „Wir haben frühzeitig ausführliche Informationen zum Umgang mit COVID-19-Abfällen erstellt und an alle relevanten Bereiche kommuniziert. Daneben tauschen wir uns mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus und stehen in Kontakt mit unserem Entsorger und verschiedenen Behälterlieferanten.“ Damit es bei den Behältern nicht zu Engpässen kommt, wurde vorgesorgt und flexibel auf die hohe Nachfrage reagiert: „In Abstimmung mit unserem Zentraleinkauf haben wir frühzeitig unsere Bevorratung an bauartgeprüften Abfallbehältern ausgeweitet und auch Alternativprodukte zum bisherigen hausinternen Behälterstandard eingeführt.“

Wenig Zeit für Routine-Aufgaben

Peter Leonards ist Abteilungsleiter „Hygienefachkraft, Umwelt- und Abfallbeauftragter“ im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. Er findet in diesen Tagen wenig Zeit für Routineaufgaben. In Trier entstand ein Corona-Gemeinschaftskrankenhaus, wo sowohl alle Corona-Verdachtsfälle als auch erkrankte Personen unterkommen. Binnen weniger Tage wurden 125 Plätze auf einer Normalstation sowie 24 Intensivbetten geschaffen. In gemischten Teams behandeln Ärzte und Pfleger beider Häuser die Patienten.
Das Abfallmanagement musste hierfür erst einmal auf die Beine gestellt werden. „Meine Aufgaben haben sich um 180 Grad gedreht und ich arbeite gefühlt 24 Stunden an sieben Tagen. Die Routine-Aufgaben, die ich sonst erledigen muss, fangen zum Glück andere Mitarbeiter auf.“

Wir bedanken uns bei allen Abfallbeauftragten recht herzlich für ihre Erfahrungsberichte.

Quellen

Abfallmanager Medizin hat Abfallbeauftragte zur aktuellen Situation befragt (Foto: wellphoto, iStock)
Abfallmanager Medizin hat Abfallbeauftragte zur aktuellen Situation befragt (Foto: wellphoto, iStock)