Coronavirus Was Abfall- und Hygienebeauftragte über Coronaviren wissen müssen

Das neuartige Coronavirus ist bislang wenig erforscht (Foto: cdc / Dr. Fred Murphy & Sylvia Whitfield)
Das neuartige Coronavirus ist bislang wenig erforscht (Foto: cdc / Dr. Fred Murphy & Sylvia Whitfield)

Zur Zeit kommt man in den Medien um ein Thema nicht herum: Das in China ausgebrochene Coronavirus. Nachdem auch in Deutschland erste Verdachtsfälle geprüft und bestätigt werden konnten, fragt sich manch Abfallbeauftragter, ob sich nun ähnliche Szenarien wie beim Ebola-Virus wiederholen. Abfallmanager Medizin hat die wichtigsten Informationen rund um das neuartige Virus 2019-nCoV zusammengetragen und mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft gesprochen.

Allgemein kann man das Coronavirus auch als Lungenkrankheit bezeichnen. Bekannt sind die Erreger den Forschern bereits seit den 1960er-Jahren. Es gibt hunderte verschiedene Arten des Virus, zu denen auch SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) und MERS (Middle East Respiratory Syndrome) zählen. Sie können durch Vermehrung oder durch Veränderung ihres Erbgutes von Tieren auf den Menschen übergehen. Chinesische Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass sich die ersten Corona-Erkrankten im Dezember auf einem Tiermarkt in der Metropole Wuhan angesteckt haben.

Erste Krankheitsanzeichen gleichen einer Erkältung

Erste Symptome können denen einer milden Erkältung ähneln. Anders als bei ähnlichen Lungenkrankheiten sind die oberen Atemwege kaum betroffen. Anstatt Schnupfen und Husten bekommen Erkrankte Fieber und haben ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen. In Berlin wurde eine Hotline geschaltet, wo sich möglicherweise Betroffene melden und beraten lassen können. Nach Einschätzung des Robert Koch-Institus (RKI) ist das Risiko für eine Ansteckung hierzulande jedoch gering. Aktuell gibt es fünf offiziell bestätigte Fälle in Deutschland (Stand: 31.01.2020, 9 Uhr). Nach der steigenden Zahl von Erkrankungen weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das bedeutet, dass die mehr als 190 Mitgliedsländer von der WHO empfohlene Krisenmaßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung koordinieren. Hintergrund ist die Sorge, dass sich das Virus auf Länder mit weniger gut ausgestatteten Gesundheitssystemen ausbreitet.

Robert Koch-Institut erstellt Leitfaden für Ärzte

Sobald die Krankheit nachgewiesen wurde, werden diese Patienten in Quarantäne genommen. Auch für die Verdachtsfälle ist eine Isolation gegenüber anderen Patienten üblich. Dies ist in den meisten Krankenhäusern problemlos möglich. Laut Berliner Senat sind allein in Berlin sämtliche 38 Rettungsstellen dazu in der Lage, Verdachtsfälle zu isolieren. Im Übrigen ist auch der begründete Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus 2019-nCoV meldepflichtig. Diese Maßnahme soll eine Verbreitung des Erregers in Deutschland verhindern.

Um Ärzten die Arbeit mit potentiell Infizierten zu vereinfachen, hat das RKI ein Ablaufschema zusammengestellt:

  • Bei Patienten mit akuter Symptomatik und Kontakt zu Infizierten oder Aufenthalt in Risikogebieten ist an 2019-nCoV zu denken.
  • Ärzte und medizinisches Personal sollten einen Kittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz (mindestens eine Maske der Kategorie FFP2) und eine Schutzbrille tragen.
  • Die Patienten sind in einem Isolierzimmer mit Schleuse oder zur Not in einem Einzelzimmer unterzubringen.
  • Bei jedem Kontakt ist die genannte Schutzausrüstung anzulegen.
  • Zur Desinfektion eignen sich Präparate mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“ (wirksam gegen behüllte Viren), „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“.
  • Das zuständige Gesundheitsamt ist umgehend zu informieren.
  • Zur Diagnostik werden Proben des Sputums, des Trachealsekrets beziehungsweise der bronchoalveolären Lavage per RT-PCR verwendet; zusätzlich sollte ein Naso-/Oropharynx-Abstrich untersucht werden.

Experten und Verbände geben Entwarnung

Die Unterbringung eines mit Coronaviren Infizierten auf einer Sonderisolierstation ist nicht notwendig. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ließ verlauten, dass der Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder als bei einer Grippe sei: „An einer Grippe, wenn sie schwer verläuft, sterben in Deutschland bis zu 20.000 Menschen im Jahr.“ Auf die Frage, ob in Deutschland wie in China auch die Abschottung ganzer Städte möglich sei, führte Spahn das Beispiel von Masern an, die deutlich ansteckender seien und verneinte. Auch Professor Hans-Georg Kräusslich vom Universitätsklinikums Heidelberg wird auf einer Pressekonferenz deutlich: Wenn jemand keinen Kontakt mit einem Infizierten gehabt hätte oder eine Reise in die Region gemacht hat, gäbe es keinen Grund zur Sorge.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft gibt gegenüber Abfallmanager Medizin Entwarnung. Hauptgeschäftsführer Georg Baum sagte auf Nachfrage: „Für den Umgang mit Coronavirus-Erkrankten gelten im Wesentlichen dieselben Regeln wie für Influenza-Infektionen. Patienten werden in den Krankenhäusern in Einzelzimmern untergebracht, Pflegekräfte und Ärzte halten die Hygiene-Regeln im Umgang mit Infektionskrankheiten, z. B. Mundschutz, Desinfektion, Handschuhe ein. Sollten sich Corona-Fälle häufen, ist auch eine sogenannte Kohortenisolation möglich. Das heißt, dass mehrere Patienten in einem isolierten oder einer isolierten Station untergebracht werden.“

Hygienemaßnahmen streng einhalten

Gegen den neuen Erreger gibt es aktuell weder eine spezifische Therapie noch einen Impfstoff. Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, gelten dieselben Hygienemaßnahmen wie bei der Grippe. Beim Umgang mit dem Virus sind die üblichen Abläufe zu beachten, die auch für andere hochansteckenden Viren wie beispielsweise Masern, Grippe oder Noroviren. Das bestätigt auch Georg Baum: „Im Umgang mit dem Virus – und generell allen Infektionskrankheiten – ist eine erhöhte Basishygiene notwendig. Dazu gehören vor allem Händedesinfektion und Mundschutz. Die Vorsichtsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus unterscheiden sich in diesem Bereich nicht von denen bei anderen Infektionen, etwa einer Grippe.“

Das bedeutet: Die Hände sollten mehrmals am Tag für 20 bis 30 Sekunden mit Seife gewaschen werden. Dies gilt insbesondere nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen, nach dem Kontakt mit Abfällen und vor dem Hantieren mit Medikamenten. Zudem ist es ratsam, die Hände vom Gesicht fernzuhalten und auf das Händeschütteln zu verzichten. In öffentlichen Einrichtungen sollte zum Abtrocknen möglichst ein Papiertuch verwendet werden.

Behaftete Abfälle als infektiösen Abfall entsorgen

Anhand der aktuell vorliegenden Daten und Erfahrungen mit anderen Coronaviren empfiehlt das RKI Hygienemaßnahmen in Anlehnung an das Vorgehen bei SARS und MERS. Daraus leitet die Bundesbehörde folgende Empfehlung zur Abfallentsorgung ab: „Die Entsorgung von Abfällen, die mit Sekreten oder Exkreten kontaminiert sind, erfolgt nach Abfallschlüssel 180103 gemäß Richtlinie der LAGA.“ Aufgrund ihres Gefährdungspotenzials sind die Abfälle in zugelassenen Behältern unmittelbar am Ort ihres Anfallens in reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnissen zu sammeln, nicht mehr umzufüllen und dicht zu verschließen. Anschließend müssen sie entsprechend der Transportvorschriften des Gefahrgutrechts gekennzeichnet und in einer zugelassenen Entsorgungsanlage vernichtet werden.

Quellen

Das neuartige Coronavirus ist bislang wenig erforscht (Foto: cdc / Dr. Fred Murphy & Sylvia Whitfield)
Das neuartige Coronavirus ist bislang wenig erforscht (Foto: cdc / Dr. Fred Murphy & Sylvia Whitfield)