Lithium-Batterien sicher entsorgen

Lithium-Batterien sind mit vielen Sicherheitsrisiken verbunden, die Abfallbeauftragte genau kennen und bei der Entsorgung beachten müssen. (Foto: Bokeh Art Photo, Fotolia)
Lithium-Batterien sind mit vielen Sicherheitsrisiken verbunden, die Abfallbeauftragte genau kennen und bei der Entsorgung beachten müssen. (Foto: Bokeh Art Photo, Fotolia)

Lithium-Batterien und -Akkus finden sich heute in Smartphones, Notebooks, Kameras, Notstromaggregaten und auch vielen medizinischen Geräten. Denn gegenüber anderen Batterien und Akkus bieten die so genannten Hochenergiebatterien viele Vorteile: z. B. hohe Zellspannung (mehr Volt), kein Memory-Effekt (Kapazitätsverlust bei Teilentladung) und geringe Selbstentladung. Diese enorme Leistungsfähigkeit geht jedoch mit einer Reihe von Sicherheitsrisiken einher, die Abfallbeauftragte in Arztpraxen und Krankenhäusern genau kennen und bei der Entsorgung beachten sollten. Gerade Brände in Kliniken, die immer wieder für Schlagzeilen sorgen, lassen sich oft auf entzündete Lithium-Batterien zurückführen. Tipps und Vorschriften zum ordnungsgemäßen Umgang und zur Vorbeugung von Unfällen finden Sie hier zusammengefasst.

Lithium gehört zu den hochreaktiven Metallen, die bei unsachgemäßem Umgang Gefahren mit sich bringen. Selbst wenn Lithium-Batterien und -Akkus auf den ersten Blick entladen erscheinen, können:

  • bei mechanischer Beschädigung umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe austreten
  • Kurzschlüsse auftreten, z. B. wenn Plus- und Minus-Pol über elektrische Leiter in Kontakt kommen, die zur Hitzeentwicklung und zum Brand führen
  • durch äußere Erwärmung, z. B. durch Sonneneinstrahlung oder Heizung, Brände und sogar Explosionen entstehen

Mit Blick auf diese Risiken wird nachvollziehbar, warum Lithiumbatterien und -zellen zu den gefährlichen Gütern zählen und Sammlung, Verpackung wie auch Transport dem Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) unterliegen.

Grundsätzliches zur Entsorgung

Die Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien (GRS Batterien), das vom Bundesumweltministerium festgelegte Gemeinsame Rücknahmesystem für Gerätebatterien (§ 6 BattG), veröffentlicht auf ihrer Website vier Grundsätze, die Abfall- und Gefahrgutbeauftragte bei der Sammlung, Verpackung und Lagerung von alten Lithium-Batterien beachten müssen:

  • Für Lithium-Batterien über 500 g gelten strenge gefahrgutrechtliche Vorschriften. Sie dürfen nur als Mono-Sammlung zusammen mit anderen Lithium-Batterien gesammelt und befördert werden.
  • Um Kurzschlüsse zu vermeiden, müssen die Pole isoliert und lose Kabel und Kabelenden abgeklebt werden.
  • Hochenergiebatterien müssen so verpackt und im Transportbehältnis festgelegt werden, dass ein Verrutschen der einzelnen Batterien im Behälter vermieden wird.
  • In den Behältern dürfen keine Materialien sein, die Batterien beschädigen können und/oder leicht entzündlich sind.

Das Umweltbundesamt ergänzt in seinem Batterie- und Akku-Ratgeber, dass lithiumhaltige Batterien und Akkus keiner großen Hitze oder Wasser auszusetzen sind. Sie dürfen zudem nicht geöffnet werden.

In der Rücknahme- und Entsorgungspflicht von Altbatterien, auch Geräte- und Industriebatterien, stehen in Deutschland gemäß Batteriegesetz (BattG) die Hersteller. Diese Pflicht erfüllen sie über die Beteiligung an einem von vier Rücknahmesystemen. In der Entsorgungspflicht nicht inbegriffen ist der Transport. Dieser kann, wie nachfolgend deutlich wird, bei beschädigten oder defekten Batterien sehr aufwendig werden.

Batteriekategorien beachten, besondere Vorsicht bei beschädigten Hochenergiebatterien

Nach Gewicht, Zustand und Verbauung in Geräten gelten für Lithium-Batterien und -Akkus unterschiedliche Vorschriften für die Verpackung und den Transport. Um korrekt vorzugehen, müssen Abfallbeauftragte zunächst feststellen, ob die Lithium-Batterien und -Akkus beschädigt sind oder nicht. Wie man beschädigte Hochenergiebatterien erkennen kann, beschreibt GRS Batterien:

  • beschädigtes oder erheblich verformtes Gehäuse
  • Anlaufstellen an Metallteilen der Batterie
  • Schmelzstellen am Kunststoffgehäuse
  • Erwärmung der Batterie in abgeschaltetem Zustand
  • Auslaufen der Batterie
  • durch das Batteriemanagementsystem (BMS) als defekt identifizierte Zellen
  • vom Hersteller als fehlerhaft identifizierte Batterien (Sicherheitsgründe)
  • Batterien mit Mängeln, die vor der Beförderung zum Ort der Analyse nicht diagnostiziert werden können

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. (BDE) gibt in seinem Praxisleitfaden einen Überblick zur Einordnung gebrauchter Lithium-Zellen und Batterien gemäß ADR sowie zum Sicherheitssystem von GRS Batterien. Vorab der Hinweis: Größere Batterien sind vom GRS-System nicht abgedeckt.

Unbeschädigt ≤ 500 g pro Zelle

  • Abfallschlüsselnummer: AS 160605
  • Systemrücknahme-Fass/Karton oder zugelassene Verpackung
  • bis max. 333 kg Li-Batterien in einer Beförderungseinheit Freistellung vom ADR (zur Nutzung der Freistellungsregelungen bei Verladung von Versandstücken Mengengrenze beachten, max. 333 kg Li-Batterien in der Beförderungseinheit)
  • UN 3090 / UN 3480, Gefahrzettel Muster 9
  • gemischt mit anderen Batterien in der Verpackung
  • füllungsfreien Raum in der Verpackung ausfüllen
  • ADR-Vorschriften: SV 188, SV 377, SV 636, P 909 (bis 30 kg Bruttomasse keine geprüfte Verpackung erforderlich), LP 903

Unbeschädigt > 500 g pro Zelle

  • Abfallschlüsselnummer: AS 160605
  • zugelassene Verpackung
  • Mengen Beförderungseinheit (zur Nutzung der Freistellungsregelungen bei Verladung von Versandstücken Mengengrenze beachten, max. 333 kg Li-Batterien in der Beförderungseinheit)
  • UN 3090 / UN 3480, Gefahrzettel Muster 9
  • nicht als Gemisch sammeln (Sammlung nur in Monochargen), jede Batterie einzeln gegen Kurzschluss sichern
  • ADR-Vorschriften: SV 377, P 909, LP 903

Kritisch oder beschädigt < 500 g pro Zelle

  • Abfallschlüsselnummer: AS 160605
  • Transport gemäß SV 636
  • UN 3090 / UN 3480, Gefahrzettel Muster 9
  • z. B. Rücknahmesystem: zugelassene Verpackung
  • Verfüllung beschädigter Zellen mit Inertmaterial, z. B. Sand (nicht leitfähig, nicht brennbar)
  • keine Zusammenpackung mit Batteriegemisch, unbeschädigt, für Transport Einzelfestlegung (gem. SV 376) nicht erforderlich
  • ADR-Vorschriften: SV 376, SV 636, P 911 und LP 906 ( im Zuge der M307)

Kritisch oder beschädigt > 500 g pro Zelle

  • Abfallschlüsselnummer: AS 160605
  • kein Transportverbot
  • zur Aufbewahrung separate Verpackung, gegen Kurzschluss gesichert in Inertmaterial, z. B. Sand, einbetten
  • Einzelfestlegung (gemäß SV 376) zuständige Behörde erforderlich (BAM)
  • ADR-Vorschriften: SV 376, P 911 und LP 906 ( im Zuge der M307), Einzelfestlegung BAM

Unbeschädigt in Geräten / Ausrüstungen fest eingebaut

  • Abfallschlüsselnummer: AS 160213*
  • zugelassene Verpackung gemäß P 909 (z. B. IBC; Fässer; Big-Bags; stabile, verschließbare Abfallbehälter)
  • UN 3091 / UN 3481, Gefahrzettel Muster 9
  • Transport in Gitterboxen (Kleingeräte) gestapelt möglich, wenn Verdichtung oder Umschüttung nicht erfolgt; Einzelkennzeichnung der Versandstücke in der Gitterbox nicht notwendig
  • Großgeräte wie Waschmaschinen und Monitore sind unverpackt, einzeln oder als Ladungseinheit im Container transportierbar
  • ADR-Vorschriften: SV 188, SV 1636, P 909, LP 903

Gemäß LAGA-Mitteilung 31A sind Batterien den Elektrogeräten zu entnehmen und der vorgeschriebenen Entsorgung zuzuführen. In der Praxis wird das jedoch aus gutem Grund häufig nicht gemacht, wie uns Sonja Noack, Abfallbeauftragte des Universitätsklinikum Bonn AöR, erklärte: „Das Universitätsklinikum Bonn AöR stellt am Abfallbereitstellungsplatz lediglich größere Transporteinheiten zusammen. Wir sind keine Entsorgungsanlage und nehmen daher auch keine Veränderungen an bestehenden Abfällen vor. Demzufolge entnehmen wir auch keine Batterien aus uns zur Verfügung gestellten Geräten.“ Da der Aufbau der Geräte den mit der Abfallentsorgung betrauten Krankenhausmitarbeitern meistens nicht bekannt ist und nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, ob schadstoffhaltige Bauteile enthalten sind, entsorgen viele Kliniken ihre Elektrogeräte als gefährlichen Abfall.

Quellen

Lithium-Batterien sind mit vielen Sicherheitsrisiken verbunden, die Abfallbeauftragte genau kennen und bei der Entsorgung beachten müssen. (Foto: Bokeh Art Photo, Fotolia)
Lithium-Batterien sind mit vielen Sicherheitsrisiken verbunden, die Abfallbeauftragte genau kennen und bei der Entsorgung beachten müssen. (Foto: Bokeh Art Photo, Fotolia)