Ausstattung und bauliche Möglichkeiten Organisation und Aufbau von Entsorgungsräumen

Durch bauliche Maßnahmen muss gewährleistet sein, dass eine Rein- und Unreintrennung im gesamten Bereich und in Teilbereichen der Krankenanstalt leicht möglich ist (Foto: RAM, AdobeStock)
Durch bauliche Maßnahmen muss gewährleistet sein, dass eine Rein- und Unreintrennung im gesamten Bereich und in Teilbereichen der Krankenanstalt leicht möglich ist (Foto: RAM, AdobeStock)

Hygiene ist im Krankenhaus wichtiger denn je: die Herausforderungen durch neue und resistente Keime sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Durch Arbeitsschutzmaßnahmen, Sicherheits- und Kontrollfunktionen aber auch bauliche Voraussetzungen können ideale Hygienebedingungen geschaffen werden. Hierzu gehört auch ein gut geplanter, organisierter und günstig liegender Entsorgungsraum. Abfallmanager Medizin gewährt einen Überblick, wie eine optimale Ausstattung sein sollte.

In zentralen Einrichtungen des Gesundheitsdienstes wie Krankenhäusern und Kliniken fallen Abfälle in ganz unterschiedlicher Menge und Form an. Ein Patient im Krankenhaus erzeugt täglich ca. 6 kg Abfall. Diesen gilt es angemessen zu sortieren und zu entsorgen. In den letzten Jahren haben Krankenhausinfektionen zugenommen, weil der Anteil der Patienten, bei denen die Infektionen durch multiresistente Erreger hervorgerufen werden, stetig steigt. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, müssen Funktionsbereiche gut organisiert und voneinander getrennt werden – dazu gehören auch die Entsorgungsräume.

Auch für das Personal besteht im Umgang mit diesen Abfällen eine potentielle Gefahr. Diese können laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung auftreten durch:

  • Hautbelastungen
  • Infektionen
  • Muskel- und Skelett-Belastungen
  • Stolperstellen, glatte Fussböden
  • Raumklima
  • Umgang mit Gefahrstoffen
  • Räumliche Enge

Zum Schutz der Mitarbeiter sollten Kliniken über ausreichende und getrennt zugeordnete Ver- und Entsorgungseinrichtungen für Speisen, Trinkwasser und Wäsche sowie Abwasser, Löschwasser, Abfall (samt stationärer Vorsammlung) verfügen. Durch bauliche Maßnahmen muss gewährleistet sein, dass eine Rein- und Unreintrennung im gesamten Bereich und in Teilbereichen der Krankenanstalt (z. B. Operationsräume, Küche, Wäscherei) leicht möglich ist.

Größe der Entsorgungsräume

Im Optimalfall verfügen die Entsorgungsräume über ausreichend Platz für die verschiedenen Abfallbehältnisse. Wie sich dieser Platz in Quadratmetern definiert, lässt sich schwer beziffern. In der Publikation „Bauliche Hygiene im im Klinikbau“ des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung werden Entsorgungsräume mit einer Größe von ca. 12 Quadratmetern angegeben. Teilt sich die Entsorgung den Platz mit einem anderem Funktionsbereich, vergrößern sich die Angaben entsprechend.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung spricht sich in ihrer Empfehlung „Neu- und Umbauplanung im Krankenhaus unter Gesichtspunkten des Arbeitsschutzes“ für eine Grundfläche von 6 bis 8 Quadratmetern aus. Aus Aspekten der Arbeitssicherheit für das Personal wird das Prinzip der Trennung der Räume von Rein und Unrein empfohlen, ohne Überschneidung von Funktionen und Wegen (z. B. bei Umkleideräumen, bei der Materialversorgung und Entsorgung sowie bei der Aufbereitung).

Ausstattung der Entsorgungsräume

Gebäude, Räume und Ausstattungen müssen den Anforderungen der Hygiene, der jeweiligen Bauordnung des Bundeslandes, den Unfallverhütungsvorschriften, den Bestimmungen der Arbeitsstättenverordnung sowie den brandschutztechnischen Vorschriften genügen.

Für die Ausstattung der Räume bedeutet das: die Oberflächen müssen feucht zu reinigen und zu desinfizieren sein. Die Verträglichkeit der Flächen mit Desinfektionsmitteln und -verfahren ist dabei zu gewährleisten. Schadhafte oder korrodierte Oberflächen entsprechen nicht den Anforderungen einer leichten Reinigung und Desinfektion. Schimmelpilzbefall und dessen Ursache sind umgehend zu beseitigen.

Bei der Entsorgung von infektionsverdächtigen Stoffen dürfen in dem Lagerraum nur Temperaturen unter 15 Grad herrschen. Bei einer Lagerung von mehr als einer Woche gelten 8 Grad als Höchstmarke. Die Entsorgungsräume müssen zudem gegenüber den Fluren Unterdruck aufweisen. Die Transportwege sollten bei infektiösen und chemischen Abfällen möglichst kurz sein.

Der Entsorgungsraum ist mit einem Ausgussbecken und einem Handwaschbecken auszurüsten. Er kann mit dem Putzraum bei kleineren OP-Einheiten kombiniert werden. Bei größerem Abfallaufkommen erscheint das wegen der erforderlichen Klimatisierung dieses Raumes nicht sinnvoll.

Unreinen Arbeitsraum und Entsorgungsraum trennen

Im Krankenhaus gibt es den unreinen Arbeitsraum mit spezieller Spülmaschine für z. B. die Bettpfannen. Dieser dient meist der Entsorgung von Exkrementen sowie der Aufbereitung der Entsorgungsutensilien wie Steckbecken oder Urinflaschen. Häufig wird dieser auch zur Lagerung von Abfällen oder schmutziger Wäsche verwendet. Besser ist eine klare Trennung dieser Bereiche. Durch die gemeinsame Nutzung des Raums, der durch ständiges Laufen der Spülmaschine oft warm und feucht ist, besteht die Gefahr, dass Darmkeime auf Ablageflächen, Geräte oder Lagermaterial gelangen. Besser ist ein abgetrennter Spülraum, der nur für die Reinigung von Bettpfannen und Urinflaschen genutzt wird.

Abfälle und schmutzige Wäsche sollten besser in einen separaten Entsorgungsraum gebracht werden, so dass die Mitarbeiter der Logistik den unreinen Bereich nicht betreten müssen, wenn sie die Abfälle abholen. Die räumliche Trennung reduziert die Gefahr der Kontamination – und damit das Risiko von Infektionen.

In der Krankenhausbauverordnung des Landes Berlin wird in §15 die Aufteilung der Putz-, Versorgungs- und Entsorgungsräume behandelt. Hier heißt es: „Sie können auch für zwei oder mehrere Funktionsstellen oder Funktionsteilstellen genutzt werden. Putz- und Entsorgungsfunktionen können in einem Raum zusammengefasst werden.“

In dem Projekt „Hygienisches Krankenhaus“ in Darmstadt wurde der klassische, unreine Arbeitsraum abgeschafft und nach eigenen Angaben neu erfunden: Hier gibt es nun einen Spülraum, der nur für die Reinigung von Bettpfannen und Urinflaschen genutzt wird. Die Tür wird über einen Fußschalter geöffnet und der unreine und der reine Bereich sind voneinander getrennt. Außerdem sind die Stationen mit einem getrennten Aufbereitungsraum für Waschschüsseln und Geräte ausgestattet – hier dürfen keine Bettpfannen hinein. Abälle und schmutzige Wäsche werden in einen Entsorgungsraum gebracht.

Blick in die Praxis: Universitätsklinikum Düsseldorf

Transportanlagen werden im Krankenhaus für Personen sowie Ver- und Entsorgungsgüter eingesetzt. Da sie in Bereichen mit unterschiedlichen hygienischen Anforderungen eingebaut sind und eventuell selbst infektiöses Material transportieren, können sie zur Verschleppung gefährlicher Keime beitragen. Die Wegführung ist daher – insbesondere bei Neu- oder Umbauten – so zu planen, dass ein Transportwagen oder -behälter nur unter Umgehung anderer Stationen in eine Zielstation gelangt.

Häufig lassen sich diese Wege durch die gewachsenen Strukturen der Kliniken nur schwer vermeiden. So teilt uns der Abfallbeauftragte des Universitätsklinikums Düsseldorf, Hans Peter Kiefler mit: „Da das Klinikum bei Neu- und Umbauten öffentliche Gelder verwendet, ist sehr große Überzeugungsarbeit bei den Ministerien und Krankenkassen nötig, damit di Finanzierung für die zusätzlich benötigten Flächen zur Verfügung gestellt wird. Diese Flächen dienen, in den Augen der meisten Entscheider, nicht der Patientenversorgung. Daran muss gearbeitet werden, damit klar wird, das die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben aus den Bereichen Hygiene, Entsorgung und Arbeitssicherheit zur Krankenversorgung gehört.“

Quellen

Durch bauliche Maßnahmen muss gewährleistet sein, dass eine Rein- und Unreintrennung im gesamten Bereich und in Teilbereichen der Krankenanstalt leicht möglich ist (Foto: RAM, AdobeStock)
Durch bauliche Maßnahmen muss gewährleistet sein, dass eine Rein- und Unreintrennung im gesamten Bereich und in Teilbereichen der Krankenanstalt leicht möglich ist (Foto: RAM, AdobeStock)