Möglichkeiten der sicheren Verwertung Kreislaufwirtschaft neu gedacht – Nachhaltigkeit im Krankenhaus

Für Abfallbeauftragte gibt es bereits einige Ansätze für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten (Foto: baona, iStock)
Für Abfallbeauftragte gibt es bereits einige Ansätze für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten (Foto: baona, iStock)

Mehr als vier Prozent der globalen Treibhausgase entstehen im Gesundheitssektor. Zudem gehören Krankenhäuser zu den 5 Branchen, in denen die meisten Abfälle anfallen. In Zeiten, wo Nachhaltigkeit und Umweltschutz zunehmend an Bedeutung gewinnen, suchen viele Krankenhäuser nach Möglichkeiten, um das Thema Klimaschutz aktiv umzusetzen. Abfallmanager Medizin zeigt praktikable Lösungen auf, wie Recycling im Klinikalltag funktionieren kann und wo noch Schwierigkeiten bei der Umsetzung liegen.

Die Einsparung von Strom und Wärme beziehungsweise Kälte, die nachhaltige Beschaffung von Waren, die Vermeidung von Lebensmittelabfällen sowie eine korrekte Abfallentsorgung sind vergleichsweise einfach in einem Krankenhaus umzusetzen. Doch es gibt weitaus mehr Lösungen für ein erfolgreiches und ressourcenschonendes Abfallmanagement, das Themen wie Sicherheit und Hygiene einbezieht.

Wiederaufbereitung von Einwegbesteck

Gemäß dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) [interner Link] hat der Gesundheitsschutz von Patienten und Personal Vorrang vor dem Ressourcenerhalt. Das ist einer der Gründe, warum bislang in Deutschland medizinische Einweg-Produkte nicht separat recycelt, sondern über den thermisch verwerteten Klinikabfall entsorgt werden. Mengenmäßig dominiert dabei die sogenannte Stationsware. Dazu zählen einfache chirurgische Instrumente aus Chromstahl, wie Pinzetten, Scheren, Klemmen oder Nadelhalter. Der Jahresverbrauch solcher Instrumente liegt in Deutschland aktuell bei über 20 Millionen Stück. Da diese Instrumente üblicherweise über den allgemeinen Klinikabfall kontinuierlich entsorgt werden, ist eine hochwertige Materialerhaltung in der Praxis nicht gegeben.

Der Physiker Werner Lorke beschäftigt sich am IRED (Institut für Recycling, Ökologie und Design) seit einigen Jahren mit den Möglichkeiten, diese Einweg-Bestecke im Materialkreislauf zu halten. Bislang leider ohne größeren Erfolg, wofür er verschiedene Gründe nennt: „Das Materialaufkommen in einer Klinik ist meist gering und es gibt keine Rücknahme-Angebote seitens der Hersteller bzw. Inverkehrbringer.“ Zudem verunsicherten viele Kliniken als Abfallerzeuger die unklare Rechtslage. Dennoch sieht er durchaus Wege für ein flächendeckendes Recyclingsystem in Deutschland: „Am wirtschaftlichsten wäre ein hersteller- und materialübergreifendes, von allen wichtigen Inverkehrbringern getragenes Rücknahmesystem zur stofflichen Verwertung der chrom- und ggf. nickelhaltigen Edelstähle.“ Das noch aufzubauende System müsse dabei aus vorschriftenkonformen, skalierbaren Sammelbehältnissen bestehen, „sowie eine sichere Logistik, hygienische (Vor-) Behandlung sowie eine weitgehend automatisierte, materialspezifische Sortierung umfassen. Die Rückführung der Sekundärrohstoffe macht ökologisch insbesondere dann Sinn, wenn deren Weiternutzung in Europa erfolgt“, führt Lorke weiter aus.

Verwertung von Herzkathetern

Für komplexe Einweginstrumente wie (EP)-Katheter wurde bereits eine bessere Lösung als die Entsorgung im normalen Krankenhausabfall gefunden. Die Katheterspitzen bestehen in den meisten Fällen aus wertvollem Edelmetall. Neben den Elementen wie Gold oder Platin sind auch Begleitmaterialien wie kunststoffummantelte Drähte oder Iridium, Kupfer, Eisen, Nickel und Zinn verarbeitet. Gesammelt werden können diese in 3l-PE-Gebinden mit Verschlussklappe und Kennzeichnung. Eine Edelmetall-Recyclinganlage behandelt die verwendeten Katheter so, dass am Ende des Gesamtprozesses die Edelmetalle wieder in Reinform vorliegen. Zudem erhält das Klinikum für das Gold und Platin eine vereinbarte Vergütung.

Desinfektion und Verwertung statt Vernichtung

Ein Weg, bisher nicht verwertbaren, infektiösen Abfall wieder dem Kreislauf zurückzuführen, stellt eine neue Art von Desinfektionsanlage dar: Hier wird aus hochinfektiösen Krankenhausabfällen durch ein neuartiges Vakuum-Dampf-Vakuum-Verfahren, verwertbares Material zur Dampf- und Stromerzeugung gewonnen. Die Desinfektionsanlage tötet dabei sämtliche Keime, Sporen, Viren und Bakterien ab. Die Desinfektion erfolgt vollautomatisch in einem geschlossenen System, so dass kein Personal in Kontakt mit den Abfällen gelangt. Anschließend wird das Material in der Verwertungsanlage zur Strom- und Dampferzeugung eingesetzt. So können 4.000 Haushalte jährlich mit Energie aus 5.400 Tonnen Krankenhausabfall versorgt werden. Bislang existiert deutschlandweit nur eine dieser Anlagen. Alternativ nutzen einige Krankenhäuser Blockheizkraftwerke, um ihre haushaltsähnlichen Abfälle umweltfreundlich in Energie oder Wärme umzuwandeln.

Möglichkeiten des Recyclings beim Röntgen

Akten und Röntgenbilder können in der Regel nach der zehnjährigen Aufbewahrungsfrist vernichtet und entsorgt werden. Röntgenfilme enthalten wertvolle Rohstoffe, die in aufwändigen Prozessen wiedergewonnen werden. Neben den konventionellen Röntgenfilmen, lassen sich in spezialisierten Recyclinganlagen auch andere Filme recyceln, wie z. B.:

  • Computertomographie-Filme (CT-Filme),
  • Mammographiefilme, Fluoroscopiefilme,
  • Folienfilme,
  • Kopierfilme (Duplikatfilme),
  • Magnetresonanztomographie-Filme (MRT-Filme),
  • Monitorfilme, Laserfilme,
  • Zahnröntgenfilme (Dentalröntgenfilme),
  • Panoramaschichtaufnahmen und andere Röntgenfilme,
  • Kontroll- und Fehlaufnahmen.

Zu recycelnde Röntgenbilder werden datenschutzkonform von Papier, Folien, Kunst- und anderen Fremdstoffen befreit und maschinell zerkleinert. Es folgt eine Waschung der so gewonnenen Partikel mit Enzymen sowie die Vernichtung enthaltener Daten. Dank des Recycling-Prozesses werden Wertstoffe wie Silber und Kunststoff zurückgewonnen.

Röntgenschutzkleidung verwerten

Auch beim Vorgang des Röntgens kommen bereits wertvolle Materialien zum Einsatz. Ein sehr effizienter Schutz vor Röntgenstrahlen bietet das Schwermetall Blei. Ist die Schutzkleidung häufig im Einsatz, können bereits nach kurzer Zeit Beschädigungen auftreten, welche auch die Abschirmwirkung beeinflussen. Bleihaltige Röntgenschürzen sind dann „möglichst einer stofflichen Verwertung zuzuführen“, fordert die LAGA.

Im Inneren einer Röntgenschürze befinden sich mehrere Lagen eines Stoffgemisches aus einer Trägermasse, beispielsweise Kautschuk, und einem Element von hoher Dichte, das Strahlen absorbiert. Dieser Schutzstoff macht bis zu 80 Prozent der Masse aus. Früher wurde als Strahlenschutz ausschließlich Blei verwendet. Aufgrund des hohen Gewichts und zum Wohle des Umweltschutzes haben sich bleifreie und bleireduzierte Materialien zuletzt immer mehr durchgesetzt. In Strahlenschutzkleidung, die auf Blei ganz oder teilweise verzichtet, verwendet man stattdessen Zinn, Bismut oder Wolfram. Sie sind bei gleicher Schutzwirkung um bis zu 20 Prozent leichter und einfacher zu entsorgen.

Aussortierte, bleihaltige Röntgenschürzen müssen als Sondermüll entsorgt werden. Spezialisierte Entsorger setzen dabei auf ein Verfahren, bei dem die alte Röntgenschutzkleidung verascht und dann thermisch weiter bearbeitet wird. Auf diese Weise kann Blei zurückgewonnen und in den Wirtschaftskreislauf, z. B. zur Herstellung von Batterien, zurückgeführt werden.

Amalgam und Quecksilber

Für Amalgamabfälle aus der Zahnmedizin ist gemäß AVV-Abfallschlüssel 180110* die stoffliche Verwertung durch den Hersteller oder Vertreiber von Amalgam bzw. dem von diesem beauftragten Verwerter vorgeschrieben.

Volle Amalgambehälter können von spezialisierten Entsorgern eingesammelt und einem vakuumthermischen Prozess unterzogen werden. Dabei wird das im Amalgam enthaltene Quecksilber zunächst als Rohquecksilber zurückgewonnen. Im anschließenden mehrstufigen Reinigungsprozess entsteht schließlich Quecksilber der höchsten Reinheitsstufe, welches zur Herstellung von Leuchtstoffröhren verwendet werden kann. Die übrigbleibenden quecksilberfreien Reststoffe werden gemäß ihrer Bestandteile der weiteren Verwertung oder Beseitigung zugeführt.

Milch wird zu T-Shirts und Kosmetik

Für Tierkliniken geeignet und etwas ungewöhnlicher ist die Möglichkeit, aus alter Milch Textilien zu erschaffen. Jährlich werden in Deutschland zwei Millionen Tonnen Milch weggeschüttet. Dazu gehört sauer gewordene Milch aus dem Supermarkt, das Zentrifugat aus der Käserei oder Milch aus Tierkliniken. Die Kühe, die in einer Klinik zur Behandlung einstehen, müssen weitergemolken werden. Allein in der Stiftung Tiermedizinische Hochschule Hannover fallen so Milchmengen von 3.000 bis 4.000 Liter pro Woche an, die vernichtet werden müssen. Häufig landet die Milch in Biogasanlagen, wo sie zum Homogenisieren anderer, fester Abfälle genutzt wird. Es gibt inzwischen mehrere Projekte von Firmen, die nicht mehr verkehrsfähige Milch zu Textilien verarbeiten. Bei der Firma Qmilch in Hannover wird aus der Milch das Eiweiß Kasein abgetrennt und in einem zweiten Schritt mit Wasser und natürlichen Zusatzstoffen vermischt. Daraus entsteht eine Art Teig, der sich durch eine Düse zu Fasern pressen lässt. Hieraus entstehen sowohl Kleidung als auch Toilettenpapier oder Fliese. Inzwischen hat die Firma ihr Portfolio noch um Naturkunststoff und eine Kosmetiklinie erweitert. Weil die Faser von Natur aus antibakteriell wirkt, ist zudem eine Zulassung für Wundauflagen beantragt worden.

Fazit

Zum heutigen Zeitpunkt gibt es für Abfallbeauftragte bereits viele Ansätze, für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten. Anregungen bieten hierfür auch Vorhaben wie KLIK green, das Angestellte aus Krankenhäusern zu Klimamanagern ausbildet oder auch das Projekt Klimaretter – Lebensretter, bei dem mit Hilfe eines Tools Energie und CO2 am Arbeitsplatz eingespart wird. Zudem ist es ratsam, bereits bei der Beschaffung von Produkten auf Ressourcenschonung zu achten und dafür interne Absprachen unter den Abteilungen zu treffen. Bei den Möglichkeiten zur Sammlung von Röntgenfilmen, Katheder-Spitzen oder Röntgenschutzkleidung lohnt es sich, Überzeugungsarbeit auf den betreffenden Stationen zu leisten, da die Sammlung dieser mit einem Mehraufwand einhergeht. Eine Option dafür bietet der Jahresbericht des Abfallbeauftragten, in welchem sich Platz für Ideen findet, wie zukünftig umweltfreundlicher und abfallärmer gearbeitet werden kann.

Quellen

Für Abfallbeauftragte gibt es bereits einige Ansätze für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten (Foto: baona, iStock)
Für Abfallbeauftragte gibt es bereits einige Ansätze für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten (Foto: baona, iStock)