OP-Besteck Einweg- oder Mehrwegprodukte im Klinikum nutzen?

Seit einigen Jahren zeigt sich ein Trend bei Scheren, Pinzetten und anderen Instrumenten zu Einweg statt Mehrweg (Christian Schwier, AdobeStock)
Seit einigen Jahren zeigt sich ein Trend bei Scheren, Pinzetten und anderen Instrumenten zu Einweg statt Mehrweg (Christian Schwier, AdobeStock)

Wiederverwendbare oder Einweginstrumente im OP? Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Einwegartikel zu nutzen und nach Gebrauch zu entsorgen oder Mehrwegartikel zu verwenden, die nach Gebrauch zu reinigen sind und deren Sterilität wiederherzustellen ist. Nicht ordnungsgemäß gereinigte, wiederaufbereitete Instrumente stellen eine Gefahr für die Patienten dar. Einweginstrumente werden sterilisiert und einzeln verpackt. Sie sind für den einmaligen Gebrauch bestimmt und werden dann entsorgt. Aus ökologischer Sicht sind Einweginstrumente jedoch äußerst fragwürdig. Abfallmanager Medizin fasst die Vor- und Nachteile zusammen.

Rund 70 Prozent der deutschen Kliniken benutzen laut eines Berichts des Fachmagazins MedReview aus dem Jahr 2014 Mehrwegbesteck. Nach einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts GfK werden aufbereitete Produkte dabei am häufigsten in der Urologie und der Gastroenterologie eingesetzt. Die Leistungsfähigkeit von Mehrweg- und Einwegprodukten wird dabei an folgenden Kriterien gemessen: Zum Einen an der funktionalen Leistungsfähigkeit der Produkte und zum Anderen an den Kosten.

Einweginstrumente

Einweg statt Mehrweg: Seit einigen Jahren zeigt sich hier ein Trend bei Scheren, Pinzetten und anderen Instrumenten in Krankenhäusern und Arztpraxen. Wie viel Einwegbesteck wirklich im Umlauf ist, dazu gibt es nur Schätzungen. Für das Jahr 2014 geht die Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie (IWKS), die sich mit Recycling befasst, davon aus, dass in Deutschland allein in Krankenhäusern 8.000 Tonnen Einmalinstrumente weggeworfen wurden. Herstellerfirmen untermauern diese Zahlen. „Scholz Labor- und Klinikbedarf „, einer der größeren Anbieter auf dem Markt, schätzt, dass Krankenhäuser und Arztpraxen mittlerweile pro Jahr sogar rund 15 Millionen Einwegscheren, Pinzetten und andere Instrumente im Klinikmüll entsorgen.

Die Einwegbestecke sind in der Regel aus Stahl oder Kunststoff (Polymer) hergestellt. Insbesondere die Instrumente aus Stahl sind funktional und haptisch kaum von Mehrwegprodukten unterscheidbar. Metallinstrumente müssen nach jedem Einsatz gereinigt, gewaschen, verpackt und sterilisiert werden. Diese Arbeitsschritte sind zeit- und kostenintensiv. Bei Einwegprodukten erübrigen sich diese aufwendigen Prozesse vollständig. Weitere Ausgaben wie beispielsweise für ein Autoklave und ein Folienschweißgerät, entfallen bei der Entscheidung für Wegwerfprodukte. Auch die Kosten für Verbrauchsmaterialien, wie Instrumentendesinfektionsmittel und Sterilverpackungen können eingespart werden, ebenso wie die Personalkosten, die bei der Aufbereitung von Instrumenten entstehen.

Neben den ökonomischen Aspekten haben Einweginstrumente einen weiteren Vorteil: Die Verantwortung für die Sterilisation liegt beim Hersteller. Das Klinikum erhält ein fabrikneues, ungebrauchtes Instrument, an dem weder Beschädigungen noch Restverschmutzungen vorliegen. Hinzu kommen eine lange Lagerfähigkeit sowie eine sichere Verpackung.

Problematisch bei den Einweginstrumenten: Sie können nur teilweise recycelt werden. Dabei enthalten die Instrumente kostbares Chrom, das im Klinikabfall praktisch verloren gehen würde. Um die Instrumente zu recyceln, müssten diese allerdings getrennt gesammelt und anschließend zur Verwertung gegeben werden.

Mehrweginstrumente

Werden Mehrweginstrumente im Klinikum verwendet, fällt Sterilgut an. Sämtliche OP-Bestecke, ganz gleich, ob sie während einer Operation zum Einsatz kamen oder nicht, werden für die Reinigung, Desinfektion und Sterilisierung vorbereitet und nach dem Eingriff aus dem Operationssaal gebracht.

Bei Operationen sind die Instrumente vor einer Wiederverwendung komplett desinfiziert bzw. gereinigt und sterilisiert worden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass durch die Aufbereitung sowohl eine technisch-funktionelle als auch eine hygienische Sicherheit garantiert werden kann. Die Reinigung und Sterilisation von Mehrweginstrumenten und die dabei entstehenden Logistikprozesse sind preis- und zeitintensiv, weshalb viele Häuser den Einsatz scheuen.
Fremd- oder Eigensterilisation

Des Weiteren ist der Transport von unreinem Sterilgut zur Sterilisationsanlage nicht frei von Risiken, denn vom unreinen OP-Besteck kann eine Infektionsgefahr ausgehen. Laut der Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) wird der Transport im Allgemeinen der Schutzstufe 2 zugeordnet.

Soll das Besteck im Klinikum sterilisiert und der Auftrag nicht an eine Fremdfirma übertragen werden, können Investitionen in den verschiedenen Bereichen notwendig werden:

  • Know-how von Aufbereitungs- und Sterilisierungsverfahren, insbesondere deren Validierung
  • Reinraumtechnologie und Sterilisationsausrüstung
  • qualitativ hochwertige Instrumente
  • Know-how und IT-Unterstützung in Materialwirtschaft und Logistik

Die höchste Infektionsgefährdung liegt beim Aufbereiten der Instrumente für die Reinigung vor, da hier die Instrumente mit Blut, Körperflüssigkeiten oder Körpergewebe kontaminiert sind. Die Desinfektion bewirkt eine Keimreduktion, deshalb ist die Gefährdung nach der Desinfektion deutlich geringer.

Für Patienten liegt kein Risiko bei der Verwendung von Mehrweginstumenten vor, wenn die Produkte mit einem validierten Verfahren professionell wiederaufbereitet werden. Hier können Krankenhäuser auch Kosten einsparen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Aufbereitung und Reparatur: Im Spannungsfeld zwischen Qualitätsanspruch und Kostendruck“ des Ludwig Fresenius Center for Health Care Management and Regulation der HHL Leipzig Graduate School of Management.

Erfahrungen aus der Praxis

Roland Dittmann ist Abfallbeauftragter am Leipziger Klinikum St. Georg. Hier wird der Umwelt zuliebe und aus Kostengründen auf Mehrweg gesetzt: „Bei uns gibt es Einweginstrumente nur als Stationsware. Im OP werden Mehrweginstrumente verwendet.“ Zudem habe ein Projekt zur Prüfung des Einsatzes von ausschließlich Einwegprodukten auf den Stationen ergeben, dass der Einsatz zu teuer sei. „Ich kann mir außerdem nicht vorstellen, dass alle Instrumente als Einwegprodukt in gleich hoher Qualität verfügbar sind“, so Dittmann weiter.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) begrüßt es, wenn Kliniken vor dem Hintergrund des Ressourcen- und Umweltschutzes den Einsatz von Einwegprodukten hinterfragen. Annegret Dickhoff, Projektleiterin Klimaschutz in Gesundheitseinrichtungen, sagt gegenüber Abfallmanager Medizin: „Dem Zwang zur einmaligen Nutzung von Medizinprodukten, die aus hochwertigen Kunststoffen und zum Teil in Verbindung mit elektronischen Einheiten bestehen, muss entgegengewirkt werden. Da ist sowohl der Gesetzgeber gefragt als auch der Klinikeinkauf und die Hersteller selbst.“ Es gäbe aus ihrer Sicht bereits einen Markt für nachhaltige Lösungen. „Kliniken wollen klimaschonender wirtschaften, wie wir im Projekt KLIK green sehen. Damit haben Medizinproduktehersteller mit Produktlösungen gute Marktchancen, die zum Beispiel eine Kombination aus Mehrweg- und Einwegprodukten anbieten“, so Dickhoff weiter.

Mehrfachnutzung von Einmalinstrumenten

Gänzlich ausgeschlossen werden sollte eine Mehrfachnutzung von Einweginstrumenten. Laut eines Berichts des Recyclingportals kommt es vermehrt zu einer gefährlichen Aufbereitung von Einweginstrumenten. Grundsätzlich ist die Wiederaufbereitung von Einmalinstrumenten in Deutschland erlaubt, anders als beispielsweise in Österreich, wo diese nach einmaliger Verwendung im Abfall landen.

Die Materialien der Einmalprodukte sind nicht geeignet für die notwendige alkalische Reinigung. Hier besteht die Gefahr einer Kontaktkorrosion und der Entstehung von Fremdrost. Damit das Besteck durch den Sterilisationsvorgang im Autoklaven nicht rostet, enthält es Nickel. Genau das fehlt dem Einwegbesteck. Sollte es im Autoklaven sterilisiert werden, würde es nicht nur rosten, sondern zusätzlich den Autoklaven verunreinigen und im schlimmsten Fall andere Instrumente zum Rosten bringen.

Laut eines Berichts des Gremiums SCENIHR ist es schwierig, einen Zusammenhang zwischen der Verwendung aufbereiteter Produkte und Infektionen herzustellen. Grund hierfür ist vor allem die schlechte Datenlage über die durch aufbereitete Medizinprodukte hervorgerufenen gesundheitlichen Schäden in Europa. Bislang seien nur Einzelfälle beschrieben worden, in denen es zum Beispiel zu einer Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, toxischen und immunologischen Reaktionen oder Behinderungen gekommen sei, heißt es in dem Bericht.

Gesundheitliche Gefahren drohten vor allem durch eine unzureichende Desinfektion bzw. Sterilisation oder durch chemische Rückstände auf den Produkten, so die Experten. Auch könne es durch chemische Prozesse bei der Aufbereitung zu Materialschäden kommen. Die Verfasser des Berichts schließen daraus, dass die Verwendung von aufbereiteten Einmalprodukten ein potenzielles gesundheitliches Risiko darstellt. Dieses müsse aber nicht zwingend größer sein als das von nicht-aufbereiteten Produkten. Die Gefahr von Infektionen mit multiresistenten Keimen sei bei einer Mehrfachverwendung nie ganz auszuschließen.

Quellen

Seit einigen Jahren zeigt sich ein Trend bei Scheren, Pinzetten und anderen Instrumenten zu Einweg statt Mehrweg (Christian Schwier, AdobeStock)
Seit einigen Jahren zeigt sich ein Trend bei Scheren, Pinzetten und anderen Instrumenten zu Einweg statt Mehrweg (Christian Schwier, AdobeStock)