Stoffstrommanagement im Krankenhaus

Abfallbehälter im Krankenhaus
Ein großer Unterschied zum Abfallmanagement: Im Stoffstrommanagement setzt man früher in der Kette – im Stoffstrom – an.

In Krankenhäusern kommen täglich Tausende unterschiedlicher Produkte zum Einsatz, die wiederum eine Vielzahl verschiedener Rohstoffe enthalten. Diese wertvollen Ressourcen möglichst lange – soweit ökologisch, hygienisch und wirtschaftlich sinnvoll – im Stoffkreislauf zu halten, ist Aufgabe des Stoffstrommanagements. Das schafft somit eine der wichtigsten Grundlagen für einen nachhaltigen Krankenhausbetrieb.

Das Stoffstrommanagement ist eine Form des Ressourcenmanagements. Es erfasst, analysiert, steuert und optimiert die Stoffströme der genutzten Ressourcen. Hierfür wird der gesamte Lebensweg eines Stoffes – von der Herstellung über die Nutzung bis zur Verwertung bzw. Beseitigung – unter die Lupe genommen. Als fünftgrößter Abfallproduzent in Deutschland kann das Gesundheitswesen mittels Stoffstrommanagement einen bedeutenden Beitrag zur Ressourcenschonung leisten.

Stoffstrommanagement ist nicht gleich Abfallmanagement

Das Abfallmanagement verfolgt das Ziel, Abfälle im Betrieb sicher und rechtskonform zu erfassen, zu lagern und an zugelassene Entsorger zu übergeben. Der Fokus liegt dabei vor allem auf den Prozessen in der eigenen Einrichtung und auf dem gesetzeskonformen und sicheren Umgang mit ungefährlichen und gefährlichen Abfällen. Das Stoffstrommanagement setzt stärker auf Zirkularität. Das Ziel: größtmögliche Ressourceneffizienz, sprich Stoffe so lange wie möglich im Stoffkreislauf zu halten. Dabei spielt zunächst die Nachverfolgung von Stoffströmen eine wichtige Rolle, denn nur wenn der Weg eines Stoffs nachvollziehbar ist, kann dieser auch gesteuert werden.

Ein weiterer Unterschied zum Abfallmanagement: Im Stoffstrommanagement setzt man früher in der Kette an. Optimierungen beginnen hier beispielsweise bereits bei der Beschaffung, etwa indem bei der Produktwahl auch Lieferketten beziehungsweise die Herkunft der enthaltenen Rohstoffe in Betracht gezogen werden.

Stoffstrommanagement ist dem Abfallmanagement damit übergeordnet, ohne es zu ersetzen. Das Abfallmanagement bildet eine tragende Säule des Stoffstrommanagements: Denn ohne ein solides, regelkonformes Abfallmanagement lassen sich die Stoffströme im Entsorgungsbereich nicht zuverlässig steuern oder optimieren.

Wer ist im Krankenhaus am Stoffstrommanagement beteiligt?

Stoffstrommanagement ist Teamarbeit, bei der unterschiedliche Abteilungen einer Klinik zusammenwirken. Dies umfasst zunächst alle Bereiche, in denen Entscheidungen über Stoffe und den Umgang mit ihnen getroffen werden. Dazu gehören insbesondere

  • Beschaffung,
  • Abfallmanagement,
  • Hygienemanagement sowie
  • Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsmanagement.

Jeder dieser Bereiche hat direkten Einfluss auf bestimmte Stoffströme und bietet damit Möglichkeiten, diese zu erfassen und zu lenken sowie an der Erarbeitung und Durchführung von Optimierungslösungen mitzuwirken. Die Koordination zwischen den Abteilungen erfolgt sinnvollerweise über eine gemeinsame Schnittstelle, die „das große Ganze“ im Blick hat. Mit dieser Aufgabe ist in vielen Einrichtungen das Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmanagement als übergeordnete Instanz beauftragt. Häufig werden Positionen im Umwelt- und Abfallmanagement in Kliniken aber von denselben Personen betreut.

Voraussetzung für ein reibungsloses Stoffstrommanagement sind eine gute Kommunikation und hohe Transparenz zwischen den Abteilungen. Dies gilt auch über die genannten Abteilungen hinaus, denn am Ende tragen alle Mitarbeitenden, die mit Produkten arbeiten, zur Umsetzung erarbeiteter Lösungen bei – von den Ärztinnen und Ärzten über das Pflege- und Reinigungspersonal bis zum Facilitymanagement.

Typische Stoffströme im Krankenhaus

In Krankenhäusern laufen äußerst vielfältige Stoffströme zusammen. Besonders große Materialströme (mit sehr hohen Verbrauchsmengen) betreffen Medizinprodukte wie

  • OP-Abdeckungen,
  • Handschuhe,
  • Spritzen,
  • Kanülen,
  • Katheter,
  • Infusionssysteme,
  • OP-Besteck (sofern Einweg),
  • Verbandmaterialien und
  • Schutzkleidung.

Optimierungen in diesen Bereichen können große Wirkungen erzielen. Das Gleiche gilt auch für die damit verbundenen Verpackungen aus Kunststoff, Papier oder Pappe, die ebenfalls massenmäßig zu den größten Stoffströmen gehören. Ein Beispiel für Ressourcenoptimierung wäre hier etwa die Beschaffung von Großgebinden, um Verpackungsabfälle zu reduzieren.

Abfallseitig liegt im Krankenhauskontext besonderes Augenmerk auf den medizinischen beziehungsweise klinikspezifischen Abfällen. Diese bestehen zu etwa 90 Prozent aus nicht gefährlichen medizinischen Abfällen gemäß AS 180104. Den Rest bilden medizinische Abfälle mit speziellen Anforderungen an Sammlung und Entsorgung, darunter

nicht gefährliche Abfälle wie

sowie gefährliche Materialien, darunter

Daneben gibt es in medizinischen Einrichtungen zahlreiche weitere Abfallfraktionen, die nicht spezifisch medizinisch sind, darunter hausmüllähnliche Abfälle oder Elektrogeräte. Zentral für die Ressourceneffizienz ist eine (so weit möglich) getrennte, sortenreine Sammlung aller anfallenden Abfälle.

Rechtliche Grundlagen und Förderung des Stoffstrommanagements

Der Kerngedanke des Stoffstrommanagements ist tief im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) beziehungsweise in der dem Gesetz zugrunde liegenden EU-Abfallrahmenrichtlinie verankert. In der Abfallhierarchie des KrWG spiegelt sich das zentrale Anliegen des Stoffstrommanagements wider: Das Gesetz verpflichtet zwar nicht ausdrücklich zu einem umfassenden Stoffstrommanagement, enthält jedoch zahlreiche Anforderungen zur Abfallvermeidung, Dokumentation und Kreislaufführung, die dasselbe Ziel der Ressourcenschonung verfolgen.

Allerdings ist Stoffstrommanagement mittlerweile auch weit mehr als ein bloßes „nice-to-have“. Das Erfassen und Bilanzieren von Stoffströmen in Unternehmen gewinnt insbesondere im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD und den Berichtstandards (ESRS) immer mehr an Bedeutung. Auch wenn viele Kliniken mit der Omnibus-I-Richtlinie nicht mehr berichtspflichtig sind, spielt das Berichten über die eigenen Maßnahmen zur nachhaltigen Ausrichtung in vielen Einrichtungen immer noch eine große Rolle.

Einige Bundesländer unterstützen das Stoffstrommanagement in Unternehmen mit Förderprogrammen. So bietet etwa der Freistaat Bayern eine Förderung für Stoffstrommanagementsysteme durch das Bayerische Umweltmanagement- und Auditprogramm.

Vorteile des Stoffstrommanagements

Auch wenn keine rechtliche Verpflichtung zum Stoffstrommanagement besteht, bringt es für Krankenhäuser neben ökologischen vor allem auch vielfältige ökonomische Vorteile mit sich. So ermöglicht eine Optimierung der Stoffströme im Krankenhausbetrieb

  • einen geringeren Materialverbrauch,
  • reduzierte Entsorgungskosten und
  • eine effizientere Beschaffung (z. B. Vermeidung von Fehlkäufen).

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